Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 32)
- Language
- German
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— 126 — Verheirateten sich mit den angesehensten der Emigranten, so Franzisca de Carvajal mit einem gewiffen Francisco Rodriguez Matos,44) der die Funktionen eines Rabbiners und Gesetzeslehrers versah. Jahrzehnte lebten so einige Tausend Juden in dem weltabgelegenen Neu-Leon, und wiegten sich in der Hoffnung, daß dies, besonders in Anbetracht, daß Luis de Carvajal ja seinen Nachfolger selbst ernennen konnte, unabsehbare Zeit so andauern würde. Als Francisco Rodriguez Matos starb, folgte ihm in seinen geistlichen Würden sein junger Sohn Manuel. Aber trotz der wenigen Beziehungen des Landes mit dem Sitze des Vizekönigs — man bedenke, daß Neu-Leon als Hafen Tampico, Mexiko aber Veracruz besaß — bekam die Inquisition von den unerhörten Zuständen schließlich Kenntnis, und im Jahre 1590 durchlief die unglaubliche Nachricht erst das kastilianische Kolonialreich, dann das ganze Mutterland, daß der so wohl verdiente Gouverneur und mit ihm zahlreiche Verwandte und Freunde vom Glaubenstribunal als des Judentums verdächtig verhaftet sei, während sich andere durch eilige Flucht dem Unheil entzogen.45) Luis de Carvajal, seine Schwestern, Neffen und Nichten „bekannten und bereuten" im Kerker, so daß sie mit verhältnismäßig leichten Strafen davon kamen,4°) bei welchen ihnen wohl ihre soziale Stellung und hohe Fürsprecher zu statten kamen. Andere Sünder wurden bei dem nächsten Autodafe, das 1593 stattfand, zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, so zwei Brüder Jorge und Domingo Rodriguez, die sich von Neu-Leon nach den Philippinen geflüchtet hatten, dort aber aufgegriffen und nach Mexiko zurücktransportiert worden waren. Die Leichname der vor dem Prozeß Gestorbenen oder der im Kerker Verschiedenen wurden verbrannt; bei den Geflüchteten mußte man sich wohl oder übel mit einer sie darstellenden Puppe begnügen. Unter letzteren befand sich auch die eines angesehenen portugiesischen Arztes Manuel de Morales, „Häuptling der Juden", wie ihn die Akten nennen. Zu den der Grabesruhe entrissenen Leichnamen gehörte unter andern auch der des Francisco Rodriguez Matos, Schwager des Exstatthalters.