Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 31)
- Language
- German
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— 125 — Admiral eine Handelsflotte nach der neuen Welt, bestand dabei ruhmreich einen Kampf mit Seeräubern, erbeutete drei ihrer Schiffe und übergab sie dem Statthalter des damals noch spanischen Jamaica. Vom mexikanischen Vizekönig darauf zum Alkalden des erst jüngst wieder vielgenannten Hafens und Kreises Tampico ernannt, zeichnete er sich auch dort nicht nur durch Bekämpfung von Seeräubern aus, sondern er unternahm auch erfolgreiche Expeditionen in das Hinterland seines Distriktes. Er drang sechzig spanische Meilen (ungefähr 300 Kilometer) weit ins Innere und gründete dort zum Andenken an seine Heimat das „Königreich Neu-Leon". In besonderer Anerkennung seiner Taten wurde er für das eroberte Gebiet zum lebenslänglichen Gouverneur mit dem Recht, seinen Nachfolger zu bestimmen, ernannt; war also eine Art von Erbstatthalter. Luis de Carvajal ließ sich die Entwicklung seines Gebietes angelegen sein. Er gründete dort nicht nur eine Anzahl Städte wie das noch heute existierende Leon und Almada, Klöster und Kirchen, erschloß auch zahlreiche Silberbergwerke und erhielt schließlich die Erlaubnis, aus Europa hundert Familien „ohne die gesetzlichen Vorschriften" einzuführen. Zu diesen gesetzlichen Vorschriften gehörte unter anderem der Nachweis, daß die Auswanderungslustige« aus altchristlichem Geschlechts stammten, nicht Nachkommen bekehrter Juden oder Muselmanen seien. Ob diese Erleichterung ein besonderer Vertrauensbeweis für Carvajal bildete, oder ob nach dem jedenfalls noch unwirtlichen und wilden Neu-Leon keine im Sinne der Gesetze makellosen Emigranten aufzutreiben waren, ist heute schwer aufzuklären. Tatsache ist aber, daß die Neuankömmlinge sämtlich Marranen waren. Ob mit ihnen oder bereits ftüher die Geschwister Carvajals in Amerika landeten, ist aus den vorhandenen Nachrichten nicht ersichtlich. Es steht jedoch fest, daß es den Einwanderern gelang, den Gouverneur nicht nur zur Duldung ihres Glaubens zu bewegen, sondern ihn und seine Verwandten auch zum Judentum zu bekehren. Die Schwestern des Erbstatthalters