Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 30)
- Language
- German
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— 124 — Welt einer weniger scharfen Kontrolle unterworfen zu sein, wandten sich damals viele nach Brasilien, und ein halbes Jahrhundert später, als die kastilianische mit der lusitanischen Krone vereinigt war, nach den spanischen, Brasilien benachbarten, Kolonien. Sicherlich waren in dieser Zeit die Mehrzahl der in den spanischen Vizekönigreichen ansässigen Portugiesen Marannen, und da es außer denselben im Lande so gut wie gar keine Fremden gab, galt für den Kreolen und Mestizen dieser Zeit „Jude", „Fremder" und „Portugiese" als ein identischer Begriff, ebenso41) wie dieselben aus Gründen, die wir später auszuführen Gelegenheit haben werden, „Protestanten" mit „Seeräuber" gleichsetzten. Genau so wie es heute in der argentinischen Republik Leute, die sogar Anspruch auf Bildung machen, gibt, welche alle Juden für Russen und alle Russen für Juden halten, weil 95 % aller in die La Plata-Länder einwandernden Hebräer aus dem Zarenreiche stammen. Bei dem ersten Autodafe, das von dem mexikanischen Großinquisitor am 15. September 1574 abgehalten wurde, gab es bereits einige Israeliten. Ein in Spanien verhafteter Marrane hatte nämlich erklärt, daß in der Stadt Meriko eine heimliche Judengemeinde existierte; flugs wurde diese Schreckensnachricht nach Amerika gemeldet und wirklich entdeckten die Spione des Glaubenstribunals eine völlig organisierte Synagoge, deren Rabbiner Bermejo und deffen Gehilfe — wie die Akten sagen — Castillano hieß. Von der Inquisition gefänglich eingezogen und scharf gefoltert, schwur letzterer und ein Teil der Mitglieder ihren Glauben ab, Bermejo aber und andere Standhafte erlitten den Martertod auf dem Scheiterhaufen.^) Kurze Zeit darauf spielte sich in Neuspanien ein Ereignis ab, das wohl in der spanischen Kolonialgeschichte einzig dasteht, und an welches selbst nach Jahrhunderten „fromme" Gemüter nur mit Schaudern zurückdenken konnten, ^b) 1539 wurde im spanischen Leon in der hart an der portugiesischen Grenze gelegenen Stadt Mogodoria aus altchristlichem und begütertem Geschlechte Luis de Carvajal geboren. Kaum dreißigjährig, begleitete er als