Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 29)
- Language
- German
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— 123 — Mensch". Als Ursprung gibt Barcia die vulgaer lateinische Vokabel maranus — ein Ding, das nicht wert ist beachtet zu werden — an. Die weibliche Form „marrana" bedeutet heute in Spanien und zwar nicht nur im Volksmunde, sondern auch in landwirtschaftlichen Büchern ohne jeden Doppelsinn „eine Sau". Das spanisch sprechende Amerika kennt jedoch diesen Ausdruck kaum. Im Hebräischen werden diese Leute „anussim", das heißt „Zwangstäuflinge", genannt. Akten und Chroniken nennen neubekehrte Juden oder Moslim, soweit man an ihrer Aufrichtigkeit nicht zweifelte, „Cristianos nuevos" (Neu-Christen) oder „Convertidos" (Bekehrte). Neigen dieselben aber wieder der Lehre Moses zu, so wird ihrem Namen das Wort „judaizante" hinzugefügt, das man etwa mit „jüdischlebend" übersetzen könnte. Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Ausführungen sei es erlaubt, zunächst einige Worte über die „Fremden", alle Nichtspanier in den Besitzungen der Krone Kastiliens zu sagen. Wie erwähnt, war es ihnen nicht gestattet, ohne ausdrückliche Erlaubnis des Kolonialamts in Sevilla die überseeischen Länder zu betreten, und diese wurde, selbst wenn der betreffende ein einwandsfreier Katholik war, nur sehr selten und ungern gegeben. Als aber König Philipp II. im Jahre 1580 Portugal mit Waffengewalt besetzte und mit Spanien vereinigte, konnte notgedrungener Weise den Einwohnern des ersteren die Niederlassung in den spanischen Kolonien nicht mehr verweigert werden, ebenso wie die Kastalianer ohne weitere Förmlichkeiten die lusitanischen Siedelungen — das heutige Brasilien aufsuchen konnten. Diese Situation dauerte allerdings nur 60 Jahre, da sich Portugal im Jahre 1640 wieder unabhängig machtet") Nachdem im Entdeckungsjahre der neuen Welt die Juden aus Spanien vertrieben worden waren, wandten sich viele Tausende nach dem benachbarten Portugal. Dort lebten sie 29 Jahre fast unangefochten, erst dann begannen ernsthafte Verfolgungen, so daß die vielgeplagten Kinder Israels wieder zum Wanderstab greifen oder mit peinlicher Genauigkeit den Sitten des katholischen Glaubens gemäß leben mußten. In der Hoffnung, in der Neuen