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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 122

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Die Juden im Amerika spanischer Zunge
Date
1925-01-01
Page
Seite 122 (sequence 28)
Language
German
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— 122 — aus den Akten, teils aber auch aus mündlichen Überlieferungen schöpften zwei geistliche Autoren. Der eine Namens Llorente, ehemaliger Sekretär des Glaubenstribunales, veröffentlichte im Jahre 1810 eine „Kritische Geschichte der Inquisition", in welcher er seine Landsleute zu überzeugen sucht, daß das „Heilige Amt der Nachforschung" weder für den katholischen Glauben noch für Spanien ein Segen war. Eine heftige Gegenschrift ist das dreibändige Werk des Mönches Francisco Javier de Rodrigo, das sich „Die wahre Geschichte der Inquisition" nennt. Er behauptet in derselben, daß die Inquisition nicht nur außerordentlich human, sondern auch für die Reinheit und Einheit des spanischen Volkes sehr segensreich gewesen sei, zumal alle Freigeister, Juden und Protestanten eo ipso auch meist moralisch tiefstehende Menschen wären. Beide Verfaffer behandeln zwar hauptsächlich die Verhältnisse im eigentlichen Spanien, sprechen aber auch gelegentlich von den überseeischen Besitzungen. Ein amerikanischer Autor dagegen, der Mönch Torquemada, der im Jahre 1723 in Mexiko ein dreibändiges Werk mit dem eigentümlichen Titel „Die ein und zwanzig Ritual Bücher und die indianische Monarchie" veröffentlichte, berichtet hauptsächlich von Sitten, Gebräuchen und Stadtklatsch in der Kolonialzeit, und schwärmt natürlich von den prächtigen Festen der Autodafes. Die Juden werden in den Dokumenten meist ,,iuMo§38)", seltener „hebreos" (Hebräer), aber niemals „Israeliten" genannt33). Bisweilen jedoch werden die Juden „Bekenner der Lehre Moses" genannt; es fällt dabei auf, daß in den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Dokumenten der Name des großen Gesetzgebers „Moyssn" geschrieben wird, im 17. und 18. Jahrhundert dagegen „Moissn", im modernen Spanischen „Moisss". Niemals dagegen fand ich für die scheinbar bekehrten, in Wirklichkeit aber dem Judentum ergebenen Personen das Wort „Marrano", das bei den Spaniern ein sehr grobes Schimpfwort ist und nach dem angesehenen etymologischen Werke der kastilianischen Sprache von Roquez Barcia die Bedeutung hat „Ein gezähmtes Wildschwein" oder „ein körperlich und moralisch unreiner

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