Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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—120 — mit einem achtmonatlichem Kinde war auf einem näheren, aber auch nicht direktem Wege, nämlich über Cordoba und Tucuman, von Buenos Aires nach der chilenischen Hauptstadt gelangt. Aber alle diese Vorsichtsmaßregeln nützten nichts. Im Jahre 1656 stellte die Inquisition von Santiago fest, daß der Doktor Sotello mit jenem Juan Matos, der vor acht Jahren in Malaga Hühner geschächtet hatte, identisch sei. Man verhaftete die ganze Familie und schickte sie zur Aburteilung an den Großinquisator nach Lima. Dort erklärte der Verhaftete frank und frei, daß er Jude sei, und daß seine Eltern wie Geschwister mit der Inquisition zu -Toledo in Konflikt gekommen seien. Dann öffnete er sich im Kerker mit einem Knochensplitter die Pulsadern und starb an Verblutung (1664). Seine Frau, die nicht widerrufen wollte, wurde am 23. Januar 1664 öffentlich verbrannt, Was aus dem Kinde geworden, kann man aus den Akten nicht genau ersehen; vermutlich wurde es in ein Kloster gesteckt. Es wäre leicht, noch zahlreiche ähnliche Fälle aufzuführen. Daß die spanische auch mit der portugiesischen Inquisition Hand in Hand arbeitete, beweist unter anderem Folgendes: Um 1625 war ein gewisser Diego Rodriguez in Coimbra (Portugal) als des Judentums verdächtig verhaftet worden. Da er widerrief, kam er mit einer achtjährigen Verbannung nach der afrikanischen Kolonie Angola davon. Es gelang ihm jedoch, von diesem ungastlichen Lande zu entfliehen und nach dem spanischen Amerika zu gelangen. Aber die Inquisition von Cartagena de las Jndias ergriff ihn, verbannte ihn für immer aus der Neuen Welt und transportierte ihn nach Afrika zurück. Strebsame amerikanische Glaubensrichter scheuten auch die damals recht langwierige und strapazenreiche Reise nach Europa nicht, um in Ländern, wo den Juden die Ansiedlung erlaubt war, Studien über israelitische Sitten und Gebräuche zu machen. Dies tat der 1645 in Cartagena beamtete Untersuchungsrichter des „heiligen Amtes" Villadiego, der „wertvolle" Daten über die Gemeinden und Synagogen von Amsterdam, Hamburg, Lübeck und Venedig, die er besucht, nach dem neugrana-