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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 119

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Die Juden im Amerika spanischer Zunge
Date
1925-01-01
Page
Seite 119 (sequence 25)
Language
German
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IRI
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— 119 - Jedes der drei im spanischen Amerika eingerichteten Jnquisitionstribunale besaß einen zahlreichen Stab von Beamten. Das Gericht in Lima hatte z. B. bald nach seiner Gründung außer dem Großinquisator, zwei Glaubensrichter, zwei öffentliche Ankläger, zwei Obergerichtsvollstrecker und ebensoviel Geheimschreiber, sieben geistliche und drei weltliche Räte, sowie siebenunddreißig Bücherrevisoren. In allen wichtigen Provinzialstädten oder Residenzen der Generalkapitäne besaß das „Amt der Nachforschung" Filialen, die ebenfalls ein nicht unbeträcht» liches Personal beschäftigten. So zählte z. B. die zum Tribunal von Cartagena de las Jndias gehörige Zweigniederlassung von Habana einen Kommissar, einen Notar, einen Gerichtsvollzieher, einen Kassierer, wörtlich „Strafgeld-Empfänger", verschiedene Sachverständige, Vertraute und „ehrenwerte" Personen.^) Letztere, über das ganze Kolonialreich zerstreut, waren Angeber und Spitzel männlichen wie weiblichen Geschlechts. Wie weit der Spürsinn dieser Fanatiker ging, ersieht man unter anderem daraus, daß im Jahre 1570 in Chile als des Judentums verdächtig ein griechischer Seemann namens Nicolas Columbo eingekerkert wurde, weil „ehrenwerte" Personen angaben, daß der Matrose sechzehn Jahre früher, als er das Karaibenmeer befuhr, eine Hammelkeule getriebert, daß heißt, gemäß dem jüdischen Speisegesetze, aus ihr die Sehne entfernt habe.34) Die Glaubensgerichte der Kolonien standen natürlich unter sich und mit denen des Mutterlandes in lebhaftem Notenaustausch über verdächtige Personen, so daß denselben ein Ort- und Namenswechsel oft nichts nützte. So war im Jahre 1648 ein gewisser Juan Matos der Inquisition in Malaga (Spanien) angezeigt, weil er heimlich das zu seinem Gebrauche bestimmte Geflügel schachtete. Es gelang ihm mit seiner Familie nach Buenos Aires zu entfliehen. Sechs Jahre später aber kam ihm dort das Glaubensgericht auf die Spur. Matos entrann vom Ufer des La Plata-Stromes nach Potosi (Bolivien), nahm dort den Namen Diego Sotelo an, und zog nach Santiago de Chile, wo er sich als Arzt niederließ. Seine Frau

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