Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 24)
- Language
- German
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— 118 — Hartnäckigen lebend verbrannt wurden. Auch die Leichname der im Kerker während der Untersuchung Gestorbenen wurden häufig verbrannt. Gelang es einem Verdächtigen zu fliehen, so mußte sich die Jnquisiton begnügen, eine den Sünder darstellende Puppe zu verbrennen. Die Urteilsvollstreckung war fast stets öffentlich und wurde „autodafs", das heißt Glaubensakt.31) genannt. Selten nur fand dasselbe im geschlossenem Raume vor geladenen Gästen in einer Kirche statt und hieß dann „autillo" — kleiner Akt. Zum Autodafö wurde meist ein kirchlicher Feiertag, das Namensfest des Königs oder die Vermählung eines Prinzen gewählt. Dann war schon von früh an die ganze Stadt auf den Beinen, um ja den feierlichen Aufzug nicht zu versäumen, an welchem alle kirchlichen und weltlichen Behörden mit Musik, Fahnen und Standarten teilnahmen. Den Hauptanziehungspunkt bildeten natürlich die Verurteilten, die von je zwei Paten geführt wurden. Auf dem Kopfe trugen die armen Sünder eine gelbe Mütze, in den Händen eine ausgelöschte grüne Kerze. Bekleidet waren sie mit einein langen, „sambenito" genannten, gelben mit Teufelsfratzen bemalten Gewände. Den als Juden Verurteilten heftete man als besonderen Hohn einen langen, roten, schwanzartigen Papierbüschel33) an das Büßerkleid. Aus dieser Sitte erklärt es sich wohl, daß das unwissende Landvolk in Spanien und den ehemaligen kastilianischen Kolonien noch heute vielfach glaubt, daß die Natur die Hebräer mit einem Fuchsschwänze ausgestattet habe. Auf dem Richtplatze angekommen, wurden in Gegenwart der höchsten Würdenträger und der jubelnden Volksmenge nach Absingen ftommer Litaneien die ärgsten Sünder aus dem Scheiterhaufen verbrannt. Die weniger Schuldigen oder Bereuende mußten ein Sündenbekenntnis oblegen, wurden meist gegeißelt und dann zu langer Kerkerhaft verurteilt, die teils auf den Galeeren, teils in Aftika oder Valdivia abgebüßt wurde. Letzterer Ort ist heute eine blühende Hafenstadt im südlichen Chile, galt damals aber als das Ende der Welt und war eine Grenzfestung gegen die kriegsgeübten Araukaner-Jndianer.