Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 23)
- Language
- German
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— 117 — war nicht jungfräulicher Boden, sondern aus dem heiligen Lande stammende Erde. Noch heute halten manche fromme Israeliten diesen Gebrauch. Der Prozeßgang der Inquisition war ebenso langsam, wie verworren und grausam. Der Angeklagte erfuhr niemals, wer seine Beschuldiger waren, und in dem noch erhaltenen „Handbuch des Gerichtsverfahrens der peruanischen Inquisition" wird die Anwendung der Folter aufs Wärmste empfohlen. Es gab drei Grade derselben. Bei dem ersten wurde das Opfer an einen Strick gebunden und an eine an der Zimmerdecke befindliche Rolle gehängt. Dann zog man den Verdächtigen herauf und herunter. Bei der zweiten Stufe wurde das Opfer durch langsames Einträufeln von Wasser in den Mund halb erstickt, während man bei der dritten die Fußsohlen des Opfers erst mit Schweinefett einrieb und es dann über ein Kohlenfeuer hing. Diese Martern konnten, so oft es den Richtern beliebte, wiederholt werden. Preßte man trotz aller Qualen aus dem Opfer nichts heraus, so wurde dasselbe trotzdem häufig als „hartnäckiger Leugner" verurteilt. Die Kinder der von der Inquisition Geächteten konnten niemals ein öffentliches Amt bekleiden, auch war es ihnen verboten, auf einem Pferde zu reiten, goldenen Schnmck zu tragen, seidene Gewänder anzulegen. Bereute der Angeklagte in Folge der Folterqualen seine Vergehen, so wurde fast stets sein Vermögen konfisziert, außerdem verurteilte man ihn „de leve" oder „de vehementi". Bei elfterem genügte ein Abschwören seines Irrglaubens in einem öffentlichen Gerichtstage, selten nur aus ganz besonderen Gründen in einer privaten Sitzung. Der „vehementi" verurteilte Unglückliche wurde nicht nur öffentlich gegeißelt, sondern zu mehrjähriger bis lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt, die oft mit Ruderarbeit auf den Galeeren begann. Verstockte Leugner oder Personen, die ihren Glauben trotz der Folter nicht auf, geben wollten, aber nach der Verurteilung „pater peccavi" sagten, rettete dieses späte Bereuen nicht mehr vor dem Tode. Sie wurden jedoch vor dem Scheiterhaufen erdrosselt und ihr Körper dann den Flammen übergeben, während die