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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 116

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Die Juden im Amerika spanischer Zunge
Date
1925-01-01
Page
Seite 116 (sequence 22)
Language
German
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— 1X6 — eine Münze oder etwas ähnliches stecken. Oder wenn sie bei der Leiche singen, oder Waffer aus Krügen und Töpfen im Sterbehause und bei den Nachbarn ausgießen, so wie es jüdische Sitte ist. Oder wenn sie — in der Trauerwoche — auf dem Boden neben der Tür sitzen, aus Gram über den Toten nur Fische und Oliven, aber kein Fleisch essen, oder nach dein Gesetze Moses das Haus auf ein Jahr verlassen. Oder wenn sie die Toten auf jungfräulichen Boden oder auf jüdischen Friedhöfen3a) beisetzen. Oder wenn einer nach einem jüdischen Gasthofe gegangen ist. Oder wenn einer gesagt hat, daß die Lehre Moses so gut wie die unseres Heilands Jesu Christi sei". Es folgt nun in dem Edikte eine Schilderung der Sitten und Gebräuche der Mohamedaner, der Protestanten und der Freidenker, man verlangt Angabe der Leute, die „im Stillen beten" und nicht in den Kirchen zu den Heiligen, die verbotene Bücher lesen, sich unehrerbietig über die Geistlichkeit äußern, mit Juden, Mohamedanern oder Ketzern Verkehren oder Handel treiben oder heimlich eine Hostie als Amulett bei sich tragen. Schließlich wird dem, der' etwas über derartige Personen weiß und nicht anzeigt, mit dem Banne gedroht. Stilistisch ist dies Edikt kein Meisterwerk, belehrt uns aber in gedrängter Kürze über die Sitten und Gebräuche der spanischen Juden im 15. und 16. Jahrhundert und man darf der Inquisition dafür dankbar sein- Was auffällt, ist, daß die Wahrsagerei als jüdische Eigentümlichkeit angeführt wird. Merkwürdig ist auch, daß Abschiedsmähler für scheidende Freunde als israelitische Sitte genannt werden; in dieser Beziehung ist die Welt entschieden mit der Zeit stark verjudet. Im allgemeinen gleichen die Gebräuche denen, die noch heute fromme Israeliten befolgen, wenn auch einige offenbar von der Jnquisiton nicht recht verstanden sind, wie z. B. die Zeremonie, welche den 7. Tag nach der Geburt eines Kindes schildert. Aber auch zwei Jrrtümer kann man dem Glaubensgerichte Nachweisen. Der Chanukaleuchter hat nicht zehn, sondern nur acht Arme, und das Säckchen Erde, das man den Toten unter den Kopf zu legen pflegte.

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