Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 19)
- Language
- German
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Das Glaubenstribunal hing von dem Sevillaner Kolonialrat ab, dem es seine Berichte einreichte, und von dem es allgemeine Vorschriften empfing. Mit der spanischen Jnquisttion hatte es direkt nichts zu tun, wenn auch beide Glaubensgerichte gelegentlich Informationen austauschten. Die zivile Gerichtsbarkeit der Kolonien dagegen mußte der Inquisition Handlangerdienste leisten, und darauf beruht auch die Behauptung der die Inquisition verteidigenden Schriftsteller, daß dieselbe nie einen Menschen verbrannt habe. Man findet in der Tat in den Akten des „Amtes der Nachforschung" niemals die Verurteilung einer Person zum Feuertode, sondern nur „zur Auslieferung an die weltliche Gerichtsbarkeit". Das klingt ganz harmlos, bestand aber darin, daß auf der Richtstätte die Inquisition den Verurteilten der Zivilbehörde übergab, die den Sünder dann sofort in Anwesenheit der Glaubensrichter aus dem Scheiterhaufen verbrennen mußte. Der Zweck dieser Tribunale war, die Reinheit des Glaubens aufrecht zu halten. Sie verfolgten daher in erster Linie alle Juden, Mohamedaner, Protestanten, Ketzer, Freidenker, Gotteslästerer und in späterer Zeit besonders Freimaurer und Verbreiter aufklärender Bücher, außerdem gehörten vor ihren Richterstuhl Hexeuprozesse, Bigamie und fitüiche Vergehen der Geistlichkeit. Schon mangelhafter Besuch der Messe und Beichte war strafbar, aber natürlich in noch viel größerem Maße die Befolgung irgend eines jüdischen Gebrauches. Einigemale ist in den Akten davon die Rede, daß der des Judentums verdächtige ein Kruzifix gegeiselt oder verspottet habe, doch ist diese Anklage, wie wir später sehen werden, Wohl nur ein Vorwand. Niemals dagegen hört man in den Prozeßakten von falschen Auslegungen des Kolnidregebetes oder Ritualmordmärchen. In dieser Beziehung stand die Inquisition moralisch höher als manche moderne Talmiforscher antisemitischer Observanz. Dabei kannte das „heilige Amt der Nachforschung" die israelitischen Gebräuche auf das Genaueste. Denn wenigstens einmal im Jahr wurde in allen Kirchen der alten wie der neuen Welt das „Angeberedikt" verlesen. Die auf die Juden bezüglichen