Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
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— 109 — das Christentum einzuführen und dasselbe von nicht katholischen Europäern rein zu halten. Ja, der Fanatismus ging soweit, daß das Königspaar zur gleichen Zeit eine Verordnung erließ, laut der nur „alte Christen, die frei von allem Verdacht (heimliche Juden oder Mohamedaner zu sein) waren", sich nach der Neuen Welt einschiffen dürften. Dieses Dekret scheint allerdings nicht immer respektiert worden zu sein, denn im Oktober 1508 erließ Johanna von Kastilien im Aufträge ihres Vaters Ferdinand eine Kabinettsorder, nach der es nicht nur Neuchristen, sondern sogar Kindern und Enkeln der von der Inquisition Verbannten verboten sein sollte, nach den indianischen Ländern auszuwandern. Der alte König Ferdinand, der bis 1516 lebte, hob aber in vielen Einzelfällen diese Verordnung auf, u. zw. gegen „cierta habilitacion o compusion“, was man am besten mit „Backschisch" übersetzen kann; er ist also in gewissem Sinne, wenn auch aus egoistischen Motiven, eine Art Wohltäter und Förderer des Judentums geworden. Diese merkwürdige Tatsache geht unbestreitbar aus einem Aktenstück hervor, das Ferdinands Enkel Kaiser Karl V. bald nach seiner Thronbesteigung (Zaragossa, 4. Sepj. 1618) an das Kolonialamt von Sevilla sandte. Darin beklagt er die ihm mitgeteilte laxe Handhabung der Einwanderungsgesetze und fordert entschieden, daß unter Nichtachtung aller Empfehlungen die bestehenden Verordnungen und Dekrete befolgt werden, „so daß keine von der Inquisition verurteilte Person, noch Söhne oder Enkel verbannter oder ihre Sünden bereut habender Menschen nach den indianischen Ländern auswandern können." Karl V. hat die Befehle seiner Mutter offenbar verschärft, da er nicht nur den Söhnen und Enkeln der von der Inquisition Verbrannten den Zugang nach Amerika wehrt, sondern den Nachkommen aller, die mit ihr in Berührung gekommen sind. Aber die schärfsten Befehle eines so mächtigen Herrschers wurden offenbar nicht befolgt, denn sonst hätte derselbe schwerlich 21 Jahre später seine Verordnungen wiederholen müffen. In dieser neuen Kabinettsorder vom 3. Oktober 1539 wird ausdrücklich von bekehrten Juden