Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
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—104 - Auch bei den Muselmanen nahm man mangelndes Verständnis für die Wahrheiten der Kirche an, bei den Juden war es aber nach Meinung spanisch-amerikanischer Geistlicher stets Verstocktheit17) und Bosheit, wenn sie ihrem alten Glauben anhingen. Trotz aller Verordnungen und königlichen Handschreiben ist aber kein Zweifel, daß Tausende zwangsweise getaufter Juden aus Spanien und Portugal nach dem lateinischen Amerika auswanderten, in der Hoffnung, in den neuentdeckten, ausgedehnten und schwierig zu bewachenden Ländern wieder zum Glauben ihrer Väter zurückkehren zu können. Noch heute haben viele Kreolen, in Amerika geborene Nachkommen aus den romanischen Ländern stammender Ahnen, und sogar deren Mischlinge mit Indianern (Mestizen, Gauchos, 18) Rotos, Chinas, Cholos in den verschiedenen Teilen Amerikas genannt) gewiffe Aehnlichkeit mit den Semiten. So berichtet zum Beispiel unter anderem der bekannte Schriftsteller und Präsident der argentinischen Republik Faustino Sarmiento in seinem Buche „Facundo", daß ihn das in Nordafrika beobachtete Leben und Treiben der Araber ungemein an die Gewohnheiten der Gauchos erinnert habe und fährt dann wörtlich fort: „Vom Aeußeren will ich garnicht sprechen. Ich habe Araber gekannt, von denen ich hätte schwören mögen, daß ich ihnen bereits in der Heimat begegnet bin."^ In einem anderen Werkes") erwähnt derselbe Verfaffer, daß die Milizsoldaten von Chivilcoy und Umgegend — einer etwa 180 Kilometer westlich von Buenos Aires gelegenen Stadt — ihm durch ihren semitischen Typus aufgefallen wären. Es erkläre sich dies zwanglos durch die Tatsache, daß die Bevölkerung Nachkommen indianischer Mütter und andalufischer Väter wären. Es ist aber wohl nur in den seltensten Fällen vorgekommen, daß die aus Spanien vertriebenen Mauren sich nach Amerika gewendet haben, sie ließen sich vielmehr in Nordafrika bei ihren Stammesgenossen nieder, wo sich deren Nachkommen vielfach noch heute unter dem Namen „Andali" (Andalufier) von den übrigen Muhamedanern abheben. Auch ist in