Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
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— 102 — scharfsinnig und interessant. Er glaufit,13) daß die zehn Stämme durch China und Nordasien nach Amerika eingewandert wären und sich von den nachdrängenden, ihnen an Zahl stark überlegenen Indianern nach den Gebirgstälern zurückgezogen hätten, so wie es seinerzeit die jetzt in Wales wohnenden Kelten Britanniens vor den Angelsachsen machten, jedoch nicht, ohne in Bauwerken und Erfindungen Spuren im Lande und in den Sitten der Indianer zurückgelassen zu haben. Manasie bestreitet energisch, daß die Indianer selbst jüdischen Ursprungs seien, hält sie vielmehr für Verwandte der Tartaren Asiens und begründet gewiffe, den jüdischen ähnelnden Gewohnheiten und Kenntnisse, durch ihren Kontakt mit den Anden-Jsraeliten. Diese Theorie entspricht bekanntlich der vieler moderner Forscher,") denn man nimmt heute allgemein an. daß die Indianer, von den mongolischen Stämmen Asiens abstammend, über die Behringstraße in die neue Welt eingewandert seien. Sagen und Kultur der hochstehendsten Urvölker Amerikas, wie z. B. der Mayas und Azteken im heutigen Mexcko, haben aber immer wieder an semitischen Einfluß erinnert, den man allerdings heute den seefahrenden Phöniziern und nicht den phantastischen Kordilleren-Juden zuschreibt. 30 Jahre nach Manasse (1681) veröffentlicht Dr. Don Diego Andres Rocha, Auditeur des königlichen Gerichts zu Lima(Peru), offenbar ohne jemals von dem Amsterdamer Gelehrten oder Montesinos gehört zu haben, ein Werk über den Ursprung der Indianer, mit dem langen Titel „Tratado unico y singulär del origen de los indios occidentales de Peru, Mexico, Santa Fe y Chile“ (Einzige und besondere Abhandlung über den Ursprung der westlichen Indianer von Peru u. s. w.) Der Berfaffer kommt ebenfalls zu dem Schluß, daß die Rothäute von den 10 verlorenen Stämmen Israels herrührten, aber über die Tartarei nach Amerika gelangt wären; nur hätten . sie im allgemeinen jede Tradition über ihren Ursprung verloren. Als Ausnahme erwähnt Rocha den Bericht eines spanischen Edelmanns, Centreras, der auf den Taramabergen jenseits des Amazonenstromes — von Lima