Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
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— 100 — ihn zu seinen Stammesbrüdern zu führen, wenn er sich verpflichtete, den von ihm bestgehaßten Spaniern gegenüber reinen Mund zu halten. Darauf führte ihn der Indianer auf steilen Gebirgspfaden und durch unwirtliche Höhen 1V Tage lang bis zu einem Flusse, an dessen Ufer er unter Steingeröll eine baumwollene Fahne hervorsuchte, die er als Zeichen in der Luft schwenkte. Bald darauf erschien ein von drei Männern und einer Frau besetztes Boot. Die Insassen hatten zwar etwas gebräunte Gesichtszüge, waren aber sonst kräftige, wohlgebaute Gestalten mit teils kurzem, teils langem Haare, das mit einem Tuch bedeckt war; die Männer waren bärtig.") Nachdem Francisco mit den Ankömmlingen einige dem Montesinos unverständliche Worte gewechselt hatte, sprangen die Männer aus ihrem Schifflein, eilten auf den Reisenden zu, umarmten ihn und sprachen in hebräischer Sprache das jüdische Glaubensbekenntnis: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger Gott!" Damit schien allerdings ihre Kenntnis des Hebräischen erschöpft zu sein, denn von nun an mußte der Indianer als Dolmetscher dienen. Die Männer erklärten dem Spaniolen, daß sie Nachkommen der als verloren geltenden 10 Stämme Israels wären, die schon vor mehreren Jahrtausenden in den Kordillerentälern ihre Wohnsitze gehabt hätten. Zwei Tage lang blieben die drei Männer bei Montesinos, dann kehrten sie über den Strom zurück, doch kamen andere ihrer Volksgenossen, ihn zu begrüßen. Im ganzen will unser Gewährsmann an dreihundert gesehen haben. Aber trotz ihrer Freude, Montesinos zu sehen, schlugen sie ihm seine Bitte, sie nach ihrem Lande begleiten zu dürfen, rundweg ab, und als er sich durch eine List in ein Boot eingeschmuggelt hatte, warf man ihn ohne viel Federlesen einfach ins Wasser, so daß Montesinos schwimmend das User erreichen mußte. Am folgenden Tage erschienen neue Abgesandte des geheimnisvollen Kordilleren-Volkes. brachten Montesinos Geschenke in Form von Decken und Nahrungsmittel, indem sie ihn zu gleicher Zeit baten, jetzt wieder den Heimweg anzutreten und ihre Glaubensbrüder von ihnen zu grüßen. Montesinos blieb nichts übrig als diesem