Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
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99 — Wissen wir also, wer der erste Hebräer war, der den Boden Amerikas berührte und sich auch dort anfiedelte,^) so ist weniger bekannt, daß Bartolome de las Casas (1455—1561) behauptete, daß die Ureinwohner Amerikas Nachkommen der zehn Stämme Israels seiend) Diese Theorie des alten Bischofs, welche vor der modernen Wiffenschast nicht besteht, ist im Laufe der folgenden Jahrhunderte noch des öfteren vorgetragen worden, aber wohl unabhängig von ihm, denn seine Handschriften wurden erst im Jahre 1873 gedruckt, waren also, wenn auch nicht völlig unbekannt, so doch nur wenigen Leuten zugänglich. Der letzte, der diese Hypothese wissenschaftlich zu beweisen suchte, war wohl der englische Lord Kingsboroug^) in der Mitte des 18 Jahrhunderts, der behauptete, daß zumindest die im heutigen Mexiko wohnenden Tolteken hebräischen Ursprungs wären. Bekanntlich hat im vergangenen Jahrhundert der geistige Vater der Mormonen-Sekte, Josef Schmidt, in seinen ihm angeblich von einem Engel übergebenen Büchern dieselbe Lehre aufgestellt. Ob er von den Schriften des Bischofs Casas und der anderen Forscher Kenntnis hatte? Einen anderen, allerdings nicht weniger phantastischen Standpunkt nimmt der „hebräische Theologe und Philosoph" Manasse ben Israel (1605—1658) in seinem 1650 in Amsterdam in spanischer Sprache gedrucktem Buche ein, das den Titel führt „Der wunderbare Fels oder die Hoffnung Israels"?) Darin veröffentlicht er zunächst den Reisebericht eines spanischen Juden namens Antonio de Montesinos, den derselbe sechs Jahre früher den Vorstehern der Amsterdamer Talmud Tora*°) erstattet und beschworen hatte. Derselbe erzählt, daß er sich vor Kurzem auf einer Reise vom amerikanischen Hafen Honda nach Quito in den Kordilleren befand, wo ihm als Führer ein Indianer namens Francisco diente. Frei von den Spähern der Inquisition, verrichtete Montesino abends und morgens die herkömmlichen hebräischen Gebete und war nicht wenig erstaunt, als ihn der Eingeborene plötzlich fragte, ob er etwa ein Nachkomme Israels sei. Als unser Reisender dies bejahte, äußerte Francisco große Freude und versprach, 7»