Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Durch die Taufe zum Judentum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
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— 81 — der Berliner Christuskirche, in der Galerie der berühmten Getauften eine der merkwürdigsten Erscheinungen, ist in seiner Weise nicht minder eine Bestätigung unserer Theorie von der Bekehrung zum Judentum durch die Taufe. Die Beschäftigung mit religiösen Problemen war bei ihm, dem begeisterten Theologen, Berufssache. Ihn führte der Mystizismus zum Glaubenswechsel, den er so ordnungsmäßig vollzog, daß er am Morgen des Taustages noch j sein hebräisches Morgengebet in aller Andacht verrichtete, j um dann den Weg zur Taufe anzutreten. Die alte Rechnung sollte sauber beglichen sein, ehe die neue eröffnet wurde. Als Saul Cassel betrat er die Kirche, als Paulus Caffel verließ er sie — „aus dem Saulus war er zum Paulus geworden", um fortan hingebungs- ] voll seiner neuen Glaubensrichtung zu dienen. Als aber, j gegen Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. j der neue Antisemitismus sich regte — Form und Name | waren damals neu — da besann sich Paulus Caffel auf j sein früheres Bekenntnis und beharrlicher, schärfer, temj peramentvoller als irgendein deutscher Rabbiner stritt! Paulus Caffel, von seinem christlichen Standpunkt aus, | gegen die Judenfeinde, insbesondere gegen Stöcker und x sein Gefolge. Auch jener David Mandel, der als - N e a n d e r zum eifrigsten protestantischen Theologen, ä zum gefeierten Professor der Theologie geworden und | zu den höchsten kirchlichen Würden gelangt war, gedachte;, oft gemütvoll seiner jüdischen Jugendperiode, der sein Mystizismus ihn entrückte. Aehnlich stellte sich zum s Judentum Josef Joachim, den sein Künstlerschicksal f stüh zur Taufe geführt hatte. Mehr oder minder deutlich spüren die Getauften alle, wie wahr das Wort Goethes ist, der da, von ä je ein Gegner des Konvertitentums, einmal schrieb: „Es bleibt jeder, der seine Religion verändert, mit einer Art Makel bespritzt, von dem es unmöglich scheint sich zu reinigen." Wie bemerkenswert ist nicht auch die Stellung; Shakespeares zur Taufe. Indem er im „Kaufmann von Venedig" seinen Shylok verurteilen läßt „das Christentum zu bekennen", gibt er uns zu verstehen, s