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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Durch die Taufe zum Judentum
Date
1925-01-01
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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- 79 — Plötzlich der angewöhnte protestantische Eifer, der ihr immer das schlimmste zumutet, und eben dieser Meinungszwiespalt in mir selbst gibt mir wieder ein Bild von der Zerrissenheit der Denkweise unserer Zeit. Was wir gestern bewundert, hassen wir heute, und morgen vielleicht verspotten wir es mit Gleichgültigkeit . . Anders als Börne, der es versucht hat, mit Geist und klugen Gründen seine Taufe zu erklären, zu rechtfertigen, hört Heine niemals auf, seinen Uebertritt zu verurteilen, zu geißeln, zu verspotten; mit einem Spott, hinter dem wir oft Schmerz und Trauer herausfühlen. Mit besonders stachligem Witz wehrt er die Versuche ab, in der literarischen Polemik sein Judentum gegen ihn ins Feld zu führen. Der Herausgeber der „Confessio Judaica“, Herr Dr. Hugo Bieber, der mit erstaunlichem Fleiß und fast zu großer Gründlichkeit alles gesammelt hat, was Heine über seine Stellung zum Judentum geschrieben hatte, und der aus dem „Rabbi von Bacharach", aus „Ludwig Börne", breite» vielleicht allzu breite Kapitel übernommen, größere Gedichte, wie die „Disputation", in vollem Umfange wiedergegeben hat, gibt auch eine kennzeichnende Stelle einer Auseinandersetzung mit P l a t e n wieder. Heine läßt sich da über seinen gräflichen Widersacher, dem er oft allzu hart zusetzte, unter anderem wie folgt aus: „Weit schlimmer geht es dem „getauften Heine". Ja, ja, du irrst dich nicht, lieber Leser, das bin ich, den er meint, und im „König Oedipus" kannst du lesen, wie ich ein wahrer Jude bin. Wie ich, wenn ich einige Stunden Liebeslieder geschrieben, gleich darauf mich niedersetze und Dukaten beschneide, wie ich am Sonnabend mit langbärtigen Mauscheln zusammenhocke und den Talmud singe. Wie ich in der Osternacht einen unmündigen Christen schlachte und aus Malice immer einen unglücklichen Schriftsteller dazu wähle .... Nein, lieber Leser, ich will dich nicht belügen. So gut ausgemalte Bilder stehen nicht im „König Oedipus". Und daß sie nicht darin stehen, das ist der Fehler, den ich tadle ..."

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