Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Durch die Taufe zum Judentum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 — hätte, Gans habe silberne Löffel gestohlen. Daß Du, lieber Moser, wie Gans denken solltest, kann ich nicht glauben, obschon es Cohn versichert. Es wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauftsein Dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere Dich, wenn die Gesetze das Stehlen silberner Löffel erlaubt hätten, würde ich mich nicht getauft haben. . . Vorigen Sonnabend war ich im Tempel und habe die Freude gehabt, eigenohrig anzuhören, wie' Dr. Salomon gegen die getauften Juden loszog und besonders stichelte, wie sie von der bloßen Hoffnung, eine Stelle zu bekommen (ipsissima verba) sich verlocken lassen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. Ich versichere Dir, die Predigt war gut, und ich beabsichtige den Mann zu besuchen." Am 9. Januar 1826 schreibt Heine an denselben Moses Moser aus Hamburg: „Ich bin jetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daß ich mich getauft Hab'; ich sehe gar nicht ein, daß es mir seitdem besser gegangen sei. Im Gegenteil, ich habe seitdem nichts als Unglück ... Ist es nicht närrisch, kaum bin ich getauft, so werde ich als Jude verschrieen. Ich sage Dir: nichts als Widerwärtigkeiten seitdem." Und am 23. April 1826 an denselben Freund u. a.: „. . . Du hattest damals einige sehr gute Gedanken über die Niederträchtigkeit der Juden, die durch die Taufe nicht nur die Absicht haben, Schwierigkeiten fortzuräumen, sondern auch etwas erlangen, etwas erschachern wollen, und dergleichen Gedanken mehr, die Du einmal aufschreiben solltest. Was mich betrifft, so brauchst Du Dich wegen meiner nicht zu genieren..." Aber auch wenn das erworbene Christentum in ihm sich geltend machen will, gelangt Heine in Gewissensbedrängnis. Im Oktober 1826 schreibt er aus Lüneburg an Moser: „Es ist doch wirklich belächelnswert. Während ich im Begriff bin, mich so recht wohlwollend über die Absichten der römischen Kirche zu verbreiten, ersaßt mich