Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Durch die Taufe zum Judentum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 9)
- Language
- German
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sich Heine mit religiösen Fragen, besonders aber mit den Angelegenheiten des Judentums soviel und so ernst beschäftigt, nimmermehr hätte er sie in breit ausgeführten Gedichten, in Erzählungen, im Briefwechsel so ausgiebig erörtert, wenn nicht die Nachwirkung der Taufe ihn immer wieder zum Judentum zuruckgedrängt hätte. An dieser seiner Taufe übt er schärfere Kritik als irgendeiner derjenigen Freunde, die ihm den Uebertritt verdachten. Ueber den Anlaß und den Akt der Taufe gleitet Heine verlegen, scheu hinweg, oder er verbirgt sich hinter Allegorien. An Moritz Embden in Hamburg schreibt er im Mai 1825 aus Göttingen geradezu: „Getauft und als Dr. j a r i s werde ich nächstens nach Hamburg kommen." Zaghafter schon schreibt er an Charlotte Embden: „Grüße mir Moritz und, wenn er keine Plaudertasche ist, sage ihm, ich sei jetzt nicht nur Dr. j uris, sondern auch . . ." Das Weitere ist verschluckt. Dem Freunde Moses Moser gegenüber sucht Heine schamhaft kleine Umwege. Er schreibt ihm im September 1825: „Vielleicht schicke ich Dir heute noch ein Gedicht aus dem „Rabbi" (von Bacharach). Ich bitte Dich, das Gedicht sowie auch, was ich Dir von meinen Privatverhältnissen sage, niemandem mitzuteilen. Ein junger spanischer Jude, von Herzen ein Jude, der sich aber aus Luxusübermut taufen läßt, korrespondiert mit Abarbanell und schickt ihm jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er sich eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht — — Denk' nicht darüber nach ..." Wenige Wochen danach schreibt Heine aber an denselben Freund Moser über seine Taufe u. a.: „Cohn versichert mich, Gans predige das Christentum und suche die Kinder Israels zu bekehren. Tut er dieses aus Ueberzeugung, so ist er ein Narr, tut er es aus Gleisnerei, so ist er ein Lump. Ich werde zwar nicht aufhören, Gans zu lieben, dennoch gestehe ich, weit lieber wär's mir gewesen, wenn ich statt obiger Nachricht erfahren