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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 75

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Durch die Taufe zum Judentum
Date
1925-01-01
Page
Seite 75 (sequence 7)
Language
German
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— 75 — von der frühen Jugend — 1816 — bis zum schmerzlichen Ende in der Matratzengruft 1856 umfassend, vereinigen sich diese mannigfachen Aeußerungen über seine Beziehungen zum Judentum in Vers und Prosa, in Dichtung und Korrespondenz zu einem einzigen Klagelied, zu einem großen Bekenntnis, zur „ConfessioJadaica“ wie auch Hugo Bieber sein verdienstliches Sammelwerk richtig betitelt. Verdienstlich trotz einzelner Bedenken. Mit der Idee zu einer solchen Zusammenstellung aller Heine'schen Aeußerungen über das Judentum, die sich zu einer wertvollen Ergänzung und Durchleuchtung der Heine-Biographie gestalten sollte, hat sich schon Gustav K a rp e l e s getragen. Wer wäre auch berufener dazu gewesen als gerade Karpeles, der eiftigste Heineforscher, der gediegenste Heinekenner, dessen Finderblick und Finderglück soviel zur Aufhellung von Heines Leben, von Heines Seelenwandlungen aufgespürt und herbeigeschafft hat. Karpeles. der zugleich als der Verfasser der jüdischen Literaturgeschichte, als der Begründer der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, der als langjähriger Herausgeber der ehemals Philippson'schen „Allgemeinen Zeitung des Judentums", als Schöpfer unserer Jahrbücher, bis an sein allzu frühes, jähes Ende dem Dienste des jüdischen Schrifttums, des jüdischen Volkstums mit priesterlichem Ernst und Eifer sich gewidmet hat! Heine und Judentum, zwischen diesen beiden Polen spielte sich das Leben von Gustav Karpeles ab. Schwer zu entscheiden, ob die gewisse Heine-Aehnlichkeit im Wesen von Karpeles, die Neigung insbesondere, tiefes Empfinden hinter einem losen Scherz verlegen zu verbergen, angeboren oder durch die Vertiefung in das Leben und schaffen Heines erworben war. Jedenfalls wäre Gustav Karpeles durchaus dazu berufen gewesen, uns ein solches Heine-Bekenntnis aus dem Gesamtwerk des Dichters, das keiner vor oder nach ihm so gründlich beherrschte, zusammenzustellen. Er schreckte aber immer und immer wieder vor dem Versuch zurück. Er hatte das bestimmte Gefühl, daß Heine, der. sich selbst kaum jemals über die große Rolle ganz klar geworden war.

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