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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 64

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Breslauer Erinnerungen
Date
1925-01-01
Page
Seite 64 (sequence 12)
Language
German
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— 61 — von Geiger." Das war ihr allerdings von Anfang an klar und beruhigte sie einigermaßen. Worin jedoch die eigentliche Bedeutung dieses großen Gelehrten bestand, davon hatte sie nicht die leiseste Ahnung; konnte sie auch gar nicht haben. Allein es war doch andererseits sehr kennzeichnend, daß die ersten Breslauer Zöglinge des Seminars just der Falk'schen Familie entstammten! Wenn auch sonst nicht die geringste Berührung zwischen den orthodoxen Kreisen und der Gelehrtengruppe um Zacharias Frankel sich anbahnte, der Bann war durch den Eintritt jener Elemente aus der Familie des „Dyhernfurther Raws" gebrochen. Abraham Geiger jedoch, den man wohl den David Friedrich Strauß der Juden nennen darf, tellte mit diesem auch das gleiche Schicksal völliger Vereinsamung. Selbst eine so mildabgeklärte Persönlichkeit wie die Salomon Nisse ns, dessen tiefgegründete, weitausgebreitete Gelehrsamkeit nur von seiner Herzensgüte und Bescheidenheit übertroffen wurde, vermied jede Annäherung an den vielgeschmähten Reformer. Von. orthodoxer Beschränktheit, von polterndem Glaubenseifer ebenso weit entfernt wie von radikaler Denkweise, behauptete Salomon Nissen, der eine verblüffende Wesensähnlichkeit mit Lessing's „Nathan" offenbarte, eine selbständige Mittelstellung. Ec war ein seiner Kopf, ein feiner Geist, dein eine zarte Ironie, eine leise Skepsis zu Gebote stand; er stellte sein umfassendes, in den entlegensten Gebieten der rabbinischen Literatur heimisches Wissen allen bereitwilligst zur Verfügung, die bei ihm anklopsten und um Rat ersuchten. Allein es gebrach ihm an jener mutvollen Entschlossenheit, ohne die eine literarische Tat niemals zu Stande kommt. Und so hat er denn auch wirklich keine sichtbaren Spuren seiner regen geistigen Tätigkeit hinterlassen. Eine einzige leise Hindeutung auf das Wesen und Wirken Salomon Nissens findet sich in Graetz „Geschichte der Juden" und zwar in einer Einleitung zu einem Teile des bändereichen Werkes. Hier stattet er seinen wärmsten Dank einem gelehrten Freunde ab, für die ihm stets bereitwilligst geleistete Hilfe, der es ihm aber streng verboten hätte, seinen Namen zu

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