Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Breslauer Erinnerungen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 11)
- Language
- German
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— 03 jedoch gehörte nicht gerade zu den Mäcenas-Naturen, und gab er schließlich, so gab er nach den Worten des Lessing'schen Derwisch so unmild mild, daß der Empfänger ebensowenig wie der Geber eine Freude empfinden konnte. Eines Tages klopfte wieder einmal solch ein armseliger Bruder in Apoll an Friedenthals Tür. Das Gespräch verlief in streng literarischen Geleisen. Endlich rückte der Hauswirt die Frage heraus: „Wißt Ihr ein Wort im loschon ha kodesch (heilige Sprache) mit vier Käme; (langes a, bei uns u ausgesprochen)." Als der Gefragte nach längerem Besinnen keine Antwort gefunden, nannte Friedenthal das Wort „Huruchumu", der Aasgeier, und bemerkte dazu: „Behalt's für Euch; es kann Euch einmal etwas einbringen". Und mit dieser Geldanweisung auf unbestimmte Sicht ward der Bittsteller entlassen. Einige Zeit darauf meldete sich der so schnöde abgefertigte Bittsteller wieder, um Abschied zu nehmen. Als das Gespräch die erwartete Wendung genommen fuhr der Gast mit der Frage heraus: „Reb Mordeche Dow, wißt Ihr ein Wort im loschon ha kodesch mit vier Patach?" (Kurzes a). Als nun Friedenthal die Antwort schuldig geblieben, platzte der Gast mit dem Worte heraus: „Hakadachath" (das Fieber) „Behalts auch vor Euch!" Sptachs und schlug die Tür eiligst hinter sich zu. -i- * -l- Das große Ereignis jener Zeit war die Eröffnung des Fränckel'schen Seminars „der jüdischtheologischen Fakultät." Zunächst hatte es den Anschein, als sollte diese so folgenschwere Tatsache gar keinen ersichtlichen Einfluß auf das innere Leben der Breslauer Gemeinde ausüben. Die unbeugsame und unbelehrbare Orthodoxie nahm von dem „Rabbinerseminar" gar keine Notiz. Sie wußte sich mit dem der neuen Schöpfung zu Grunde liegenden Gedanken auch nicht entfernt abzufinden. Gleichwohl mußte sie mit einer Persönlichkeit wie Zacharias Frankel wohl oder übel doch rechnen. So geriet sie ganz unwillkürlich in eine gewisse Unsicherheit. „Er ist ein Mißnagged (Gegner)