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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 61

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Breslauer Erinnerungen
Date
1925-01-01
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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- 61 auch Gedaljah Tiktins Weizen. Er hielt sich zur Regierung, die ihn offensichtlich begünstigte. Er wurde mit dem Titel eines Land-Rabbiners ausgezeichnet und die Breslauer Spötter beeilten sich, ihm noch den eines „Wasser" - Rabbiners hinzuzusetzen. Gedaljah war eine stattliche Erscheinung. In seinem schwarzen, weiten Obergewande, den Stock mit dem Goldknauf in der Rechten, gravitätisch einherschreitend, machte er einen nicht Übeln äußerlichen Eindruck. Er hielt sichtlich auf eine Würdigkeit im Auftreten und er versäumte keine sich ihm darbietende Gelegenheit, diese seine geistliche Würde zur Schau zu tragen. Als der zum Nachfolger des Cardinals von Diepenbrock erwählte Fürstbischof Dr. Förster in sein hohes Kirchenamt eingeführt wurde, fehlte auch Gedaljah nicht unter den Glückwünschenden. Nicht lange darauf erhielt er den Roten Adler-Orden vierter Klaffe. Damals an und für fich eine hohe Auszeichnung und nun gar für einen Juden eine ganz besondere Ehrung! Allein des Lebens ungemischte Freude ward keinem Sterblichen zu teil und so ergings auch unserem neugebackenen Ritter. Der in der Gemeinde durch seine Schlagfertigkeit und seinen stacheligen Witz bekannte Hirsch Joachimsohn besuchte den Rabbiner eines Tages, und beglückwünschte ihn zu seiner Ordensauszeichnung mit den Worten: „Wenn man sich vor dem „Zei lern" (Abbild, im Jargon soviel als Kreuz) bückt, wird man groß" Der Spötter spielte damit auf die Verbeugung Gedaljahs bei dem Besuche im erzbischöflichen Palais an. Tiktin erfreute sich selbst unter den orthodox gerichteten Gemeindemitgliedern keiner sonderlichen Wertschätzung. Seine Persönlichkeit hatte nichts Gewinnendes, in seinem Blicke offenbarte sich etwas Lauerndes und tatsächlich war er ein zur Intrige hinneigender Mensch. Dazu kam noch, daß die Meinungen über seine talmudischen Kenntnisse sehr weit auseinander gingen. Der Dajan R e b Josef Leib Feder hielt, sobald die Rede darauf kam. mit seiner Ansicht vorsichtig und respektvoll zurück. Allein Reb JankewLeib Kroch, ein in allen Brühen

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