Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Breslauer Erinnerungen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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— 59 — schlesischen Hauptstadt spurlos verschwunden. Erhalten haben sich allerdings noch der Riembergshos und „der Storch", in denr schon damals die größte Synagoge Breslau's errichtet war; allein diese „Höfe" entbehrten gerade der charakteristischen Sonderart der oben erwähnten. Diese letztgenannten trugen ein ungleich vornehmeres Aussehen zur Schau. In einem unansehnlichen Hause an der Graupen- und Wallstraßen Ecke waren sämtliche Verwaltungsräume der etwa 12000 Köpfe zählenden Gemeinde vereinigt. Hier waltete der Rendant Cohn in unermüdlichem Fleiße und gewissenhaft seines nicht gerade sehr angenehmen Amtes. Er war ein allgemein gebildeter Mann, feinsinnig und überaus gütig. In seinem gastlichen Hause, das eine liebenswerte Gattin leitete, verkehrten viele jüdische Studenten sowie Hörer des dazumal neu errichteten Fränckel'schen Seminars. Er sorgte mit rührendem Eifer für diese zumeist nicht eben mit Glücksgütern gesegneten jungen Leute. Der Rendant Cohn hat manchen seiner Hausfreunde, die später in Aemter und Ansehen gelangten, über die Nöte des Lebens väterlich hinweggeholfen. Das innere Gemeindeleben verlief damals in ruhigen Bahnen. Die sturmerfüllten Jahre während der ersten Amtszeit Abraham Geigers waren für immer dahin. Der große Reformator und Forscher hatte sich nach schwersten Prüfungen Raum zu schaffen verstanden. Seine zündende Beredsamkeit riß die zahlreichen Zuhörer in der „Storch"-Synagoge mit sich fort. Geiger stand damals auf der Höhe seines Talents. Seine gewinnende Persönlichkeit verschaffte sich ebenso große Anhänglichkeit unter den Mitgliedern der Gemeinde, wie die Ergebnisse seiner weitschichtigen und tiefen Forschungen seinen Namen in der ganzen theologischen Gelehrtenwelt und wohl auch über deren Grenzen hinaus rühmlich bekannt machten. In Breslau hat Abraham Geiger das grundlegende Werk „Urschrift und Uebersetzungen der Bibel" verfaßt, hier ist es auch im Verlage von Heinauer erschienen. Dieser Buchhändler glaubte damit eine Ehrenpflicht gegen den von chm verehrten und oft so erbittert