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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 58

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Breslauer Erinnerungen
Date
1925-01-01
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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— 58 — Kern dieser kleinen, auf der äußersten Rechten in der Orthodoxie stehenden Gemeinschaft bildete die in zahlreichen Zweigen verbreitete Sippe Falk und ihr religiös gleichgesinnter Anhang. In dieser kleinen, unscheinbaren, rabbinerlosen „Schul" jedoch konnte man entnehmen, was Andacht im Gebet sei: Und das nicht etwa bloß bei den Gottesdiensten an den großen Feiertagen. Nein. Jedes Morgen-, jedes Abend-Gebet wurde in dieser Sklower Schul in einer Andachtsstimmung abgehalten, die tief in die Seele drang. Das „Schenra Jisroel", das „Selach" im Achtzehn-Gebet, das „Alenu" wurde nichtin gewohnheitsgemäßer Abgestumpftheit hingesprochen; es rang sich mit wahrer Inbrunst aus dem inneren Gemüte empor. Niemals wieder habe ich in meinem langen Leben derartig tief ergriffene Beter gesehen und gehört, als eben in dieser „Sklower Schul". * * * Das Straßengewirr um den Karlsplatz herum, also die schon erwähnte Goldene Rade-Gasse, die Antonienstraße, die Siebenradebrücke, die Graupenstraße und die Karlstraße bildeten im wahren Wortsinne ein Judenviertel. Hier fand sich die ganze jüdische Kaufmannschaft, das Warengeschäft zusammen. Der Großhandel hatte feine Hauptstätten in der Karlstraße. Am Sabbat herrschte daher dazumal hier absolute Geschäftsstille. Das gleiche fast ausschließlich jüdische Aussehen zeigte sich auch in der Reusche- und in der Nicolaistraße. In diesem Stadtviertel bildeten aber wiederum einzelne riesige Häuserblocks, der Pokoyhof, die Fechtschule, in sich geschlossene Bauanlagen, in denen sich meistenteils jüdische kleine Handelsleute niedergelassen hatten. Das Alles hatte einen fast familiären Charakter. In jedem dieser „Höfe" befand sich ein Bethaus, in dem die daselbst wohnenden jüdischen Händler ihre Morgen- und Abendandachten verrichteten. Manches später zu hohem Ansehen gelangte Bankhaus, u. a. das Jacob Landau'sche, hat hier seinen unscheinbaren Stammsitz gehabt. All diese Breslauer Eigentümlichkeiten sind indessen mit der später einsetzenden Entwickelung der

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