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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 54

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Breslauer Erinnerungen
Date
1925-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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— ol- IMt einer mir überraschenden Freundlichkeit aufnahm. Er fragte mich nach meiner bisherigen talmudischen Beschäftigung. Ich antwortete, daß ich ausschließlich mit dem Inhalte der drei „Babas" (Privatrecht) bekannt gemacht wurde. Er schien darüber erstaunt zu sein. Er meinte, ich müßte nun hauptsächlich mit den aus die eigentlichen Ritualien bezüglichen Talmudtraktaten bekanntgemacht werden. In diesem Sinne wurde nun der Unterricht bei ihm begonnen und einige Jahre fortgesetzt. Ich will über den Unterschied zwischen seiner und der Kempener Lehrmethode hier kein Wort verlieren; doch kann ich nicht verschweigen, daß mir die neue Weise sehr wenig zusagte und mir den Geschmack an den talmudischen Studien gar bald verdarb. Da ich sein einziger Schüler war, konnte es indessen nicht ausbleiben, daß sich zwischen meinein Lehrer und mir eine gewisse Vertraulichkeit herstellte, sodaß ich bereits nach kurzer Zeit in seine Familie eingeführt wurde. Und noch heute, nach fast siebenzig Jahren, denke ich mit einer gewissen Freudigkeit an die in seinem Hause verlebten Sabbat-Nachmittage. Bei diesen Schulosch-Sudos- Gesprächen, der üblichen dritten Sabbat-Mahlzeit, lernte ich nach und nach fast alle die zahlreichen Mitglieder der Familie des Dyhernfurther Rabbi kennen, die sämtlich in Breslau ansässig waren. Diese Familien der vier Brüder Falk und deren Schwäger-Familien bildeten innerhalb der damaligen Breslauer Judenheit eine festumfriedete Gemeinschaft, eine Art Merkwürdigkeit, wenn man will, so etwas wie ein kulturgeschichtliches Ueberbleibsel aus einer längst verklungenen Vergangenheit. Sie waren abgeschlossen, auf sich selbst zurückgezogen, ganz besonders die älteren Mitglieder, völlig unberührt geblieben von den Einflüssen ihrer Umgebung. Kein Hauch des neuen Zeitgeistes war in ihre Wohnungen gedrungen. Um ein Beispiel anzuführen: Aus der. ganzen neueren Geschichte waren ihnen die Namen „Alter Fritz", Blücher, den sie jedoch beharrlich „Blüchert" aussprachen, Napoleon und Kaiser Nikolaus geläufig. Auch von der Leipziger Völkerschlacht hatten sie eine dunkle Kunde erlangt. Sonst

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