Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Breslauer Erinnerungen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Erinnerungen. (Aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts). Von I. K a st a n. (wfLnt die Mitte des vorigen Jahrhunderts verlegte mein Vater seinen Wohnsitz von Kempen nach Breslau. Den Eindruck, den die schlesische Hauptstadt auf das Gemüt des zum Jüngling heranreifenden Knaben machen mußte, ausführlich zu schildern, liegt nicht in meiner Absicht. Es kommt für mich nicht in Betracht, hier meine Erinnerungen niederzuschreiben, als vielmehr die damaligen .Zustände in der jüdischen Gemeinde Breslaus möglichst naturgetreu zu schildern. Freilich darf ich dabei nicht verhehlen, daß ich lediglich auf mein Gedächtnis angewiesen bin. Es ist indessen glücklicherweise noch so zuverlässig, daß ich hoffen kann, mich von der Wirklichkeit nicht allzusehr zu entfernen. Nur Eines sei im Voraus bemerkt: auf meinen eigenen Entwicklungsgang hatte der Ortswechsel an und für sich nicht den allermindesten Einfluß. Der in Kempen begonnene Unterricht, sowohl der talmudische. wie der sonstige wurde unmittelbar nach der Uebersiedelung in Breslau fortgesetzt. Nur die Scene sozusagen, war verändert. Diese Veränderung jedoch war eine in jedem Betrachte recht gründliche. Und nun, nach dieser kurzen Vorbemerkung, zur Sache. Ein Oheim mütterlicherseits hatte sich schon einige Jahre vor unserem Ortswechsel in Breslau niedergelaffen und dort die jüngste Tochter des Dyhernfurther Rabbiners Falk geheiratet. Unmittelbar nach unserem Eintreffen in der genannten Stadt wurde ich behufs Fortsetzung meiner talmudischen Studien seinem Schwager, dem Dajan (Mitglied des Rabbinats) Reb Falek zugeführt, der mich