Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 — läuferin derjenigen Frauen, die später in den berühmten jüdischen Salons durch Schönheit und Geist, leider nicht immer durch gleiche Glaubenstreue glänzten! Aus solchen Hoffaktorenhäusern heraus wagte so manches Familienmitglied alsdann gleichsam den Sprung über die Ghettomauer, um überhaupt an der Kultur der Zeit teilzunehmen; einige zeichneten sich als Mathematiker, andere als Mediziner aus. Aron Gomperz als schöngeistiger Freund Lessings und Mendelssohns. Mendelssohn selber war mit den D e s s a u e r Hoffaktoren Wulff verwandt, und wenn auch nichts von ihrem Glanz und Besitz auf das armselige Häuschen seiner Eltern fiel, so verdankten doch auch sie wie so viele Glaubensgenossen jenen die geschützte Niederlassung auf deutschem Boden. Vielleicht hat der junge Moses gerade aus diesem Kreise u n - bewußt die Anregungen empfangen, die auch ihn über die Enge der Judengasse in die große Kulturwelt draußen führten; sicher aber ist, daß ihre bewußte Entfaltung in seiner Seele den Dessauer Hoffaktoren mit zu Gute gerechnet werden darf. Denn in der Buchdruckerei, welche die Wulffs aufgestellt hatten, um ihre Glaubensbrüder mit religiöser Literatur zu versehen, wurde in Jeßnitz bei Dessau 1742 zuin erstenmale wieder seit zwei Jahrhunderten das mit dem Bann belegte große Geisteswerk des Moses Maimonides aufgelegt, der Moreh Nebuchim, in welchem der Meister der jüdischen Religionsphilosophie so überzeugend den Zusammenklang von Religion und Weltweisheit darlegte. Aus diesem Buche schöpfte in heimlichen Nachtstunden der junge Mendelssohn die neue Weltanschauung, die er zuerst für seine eigene Person, dann für seine gesamte Glaubensgenossenschaft zur Durchsetzung bringen wollte und auch wirklich gebracht hat: Wiedereintritt des Judentums in die große Kulturwelt. Als ob die Hoffaktorenausgabe des Moreh Nebuchim recht augenfällig alle diese inneren und äußeren Zusammenhänge zum Ausdruck bringen wollte, trug sie auf dem hebräischen Titelblatt das große Anhaltische Fürstenwappen und einen lateinischen Hymnus auf den alten Dessauer und seine tapferen Söhne! Die Dessauer Hofjuden waren 4*