Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 15)
- Language
- German
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— 50 — trugen die Hoffaktoren durch ihre Fürsorge wesentlich zur Stärkung des Heimatgefühles unter den bisher heimatlosen, rechtlosen und schutzlosen Brüdern bei. wie sie auch selber aufs stärkste sich mit Herrscher und Land verbunden fühlten. Sie glichen nicht den deutschen Söldnern, die sich dem Meistbietenden mit Leib und Seele verkauften oder verkaufen ließen; dem Fürsten, dem sie dienten, blieben sie zeitlebens treu, suchten überall seinen Vorteil zu wahren und dachten, selbst wenn sie dessen Gunst verloren, niemals daran einen Vertrauensbruch zu begehen. Durch ihre Tätigkeit und ihre Haltung machten sie in ihrer christlichen und jüdischen Umgebung den Blick frei für die Möglichkeit und Berechtigung der Teilnahme der Juden an allem, was das Wohl und Wehe des Vaterlandes anging. Dazu kommt noch ein anderes! Es wäre unnatürlich gewesen, wenn Menschen, die so oft aus der Enge der Judengassen in die Welt hinaustraten und durch ihren Verkehr mit hervorragenden Männern, durch ihre häufigen Reisen nach allen Himmelsrichtungen so viel Gelegenheit fanden zu schauen, zu hören und zu lernen, nicht an Bildung und Gesittung allmählich das Ghetto überwunden hätten. Der Ausschluß allgemeiner Bildung, wie er von Religionswegen damals beliebt wurde, war für diese Männer undurchführbar, und in der Tat sind ihre Häuser die ersten Stätten künstlerischen Geschmacks und feingeistiger Atmosphäre im Judenviertel. Schon früh — ein Jahrhundert fast vor Moses Mendelssohn — wird in ihnen Deutsch gesprochen, gelesen und geschrieben, und betreten wir im Geiste das Haus von Elia Gomperz, so wissen wir aus den Memoiren der Glückel von Hameln, „daß es in allen Manieren wohl möblieret gewesen als wie eines Herrschers Palast". Aus anderen Berichten erfahren wir, daß eine Frau darin waltete, „die eine erlesene Erziehung und Ausbildung genossen und der in solchem. Grade feine Form, Wissen, Takt und Rede zu Gebote stand, daß sie das Judentum vor Andersgläubigen siegreich verfechten und in: Kreise hervorragender Nichtjuden gewandt und unerschrocken das Wort zu führen wußte". Ganz gewiß eine würdige Vor-