Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115206--6660-3115283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 49 — In der jüdischen Geschichte sollte den Hoffaktoren dies Los denn doch nicht zuteil werden, schon darum nicht, weil zwei „jüdische" Eigenschaften sie alle auszeichneten: keiner von ihnen dachte je daran seinen Glauben seinen Interessen aufzuopfern und keiner von ihnen vergaß es je, auch für seine Glaubensbrüder einzutreten und das Geschick Einzelner oder der Gesamtheit zu mildern. Jeder von ihnen wollte neben dem Titel des Hoffaktors den Ehrentitel Stadlan, d. h. Fürsprecher, Anwalt, Wohltäter der Gemeinde führen und er schmückt sie wohl auch alle, die einen in schlichter Weise, die anderen mit überschwänglichen Beiworten: „Der große, der berühmte, der überall bekannte Stadlan Behrend Lehmann, der Gerechtigkeit seinem Volke verschaffte, zu jeder Zeit sich gegen Gewalttat stemmte und in den Riß eintrat in den Palästen der Könige und Fürsten". Dazu hatten die Hoffaktoren freilich die beste Gelegenheit und nutzten sie auch immer. Die Unterdrückung des berüchtigten Werkes von Eisenmenger „Das entdeckte Judentum" war ein Erfolg der Wiener Hofjuden. Elia Gomperz erreichte die Abschaffung des Leibzolls für die Juden im Cleveschen. Ein ähnliches Verdienst und die Rücknahme einer Judenaustreibung in Bayern durfte sich Aron Oppenheimer in Frankfurt am Main zuschreiben, gleichfalls ein bekannter Hoffaktor, Stammvater der Familie Meyerbeer. Zahlreichen jüdischen Familien verschafften die Hoffaktoren Niederlaffung und Heimat. Regelmäßig findet sich unter den Vergünstigungen, die sie sich erbitten, die Erteilung von Schutzbriefen für Angehörige oder Freunde, zumeist mit der Notwendigkeit von Geschäftsbeziehungen motiviert. Verschiedene jüdische Gemeinden wie z. B. Dresden und Halle verdanken ihre Entstehung solchen Hoffaktorenniederlaffungen; denn zum Hofstaat einer derartigen Familie gehörten Rabbiner, Lehrer, Kantoren, Gehilfen, Bediente, Köche, Geschäftspersonal und mancher Hausvater gelangte unter solchem oft nur vorgeschobenen Titel mit den Seinen endlich zur Ruhe, zur Bodenstätigkeit, zur Heimat. So