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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 48

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Aus der Zeit der Hoffaktoren
Date
1925-01-01
Page
Seite 48 (sequence 13)
Language
German
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— 48 — fürstlichen Geleitspässe freien, ungehinderten Zutritt und wenn auch die Stadt zu ihrem großen Leidwesen dadurch um das „Judengeld" kam. das sie den vielen nicht vergleiteten Juden am Tore abnahm und das in den Jahren 1675—1764 allein eine Summe von rund 720000 Talern in den Stadtsäckel fließen ließ, so wurde dieser Entgang doch durch die wichtigen Geschäfte und das äußere herrschaftliche Auftreten der Hoffaktoren wieder reichlich wett gemacht. Sie schafften viel Ware und Geld ins Land und sie trieben ihre Geschäfte nach dem Grundsatz: verdienen und verdienen lassen. So kam gerade mit durch ihre Tätigkeit allmählich wieder Stätigkeit und Festigkeit in Handel und Verkehr und machte sie selber wiederum dadurch langsam entbehrlich. Friedrich der Große, scharfen Blickes und gut beraten, förderte ganz besonders diese Entwicklung, indem er den Zwischenhandel zugunsten des direkten Absatzes auszuschalten suchte und dem jüdischen Kapital dafür die Möglichkeit fester Anlage in der Seidenindustrie und im Betrieb von Fabriken aller Art gewährte. Das Münzsystem gelangte unter ihm nach der vorübergehenden Devastierung im Kriege wieder in geordnete Bahn, feste Bankinstitute wurden gegründet; die Armee erfuhr einen gewaltigen Umschwung, eine tüchtige Beamtenschaft übernahm die Landesverwaltung, schaltete alles Persönliche Ms und handelte pedantisch nach Vorschrift desKönigs.in dessen Person das Ganze zusammenlief. Hier war kein Platz mehr für die Tätigkeit der Hoffaktoren und die Zeit der Aufklärung, die nun einsetzte, schuf dazu ein Kulturniveau, auf dem sie sich gleichfalls nicht mehr halten konnten. Nicht mehr Privilegien für einzelne Juden, nicht mehr Sonderrechte irgend einer Art, sondern die Emanzipation der gesamten jüdischen Nation wird die Parole sowohl im Jntereffe der Menschheit wie zugleich der Staatspolitik. So treten die einst so einflußreichen und für ihre Zeit unentbehrlichen Hoffakroren vom Schauplatz der Geschichte ab und die Nachwelt sieht sie mit lächelndem Spott entschwinden, wie so oft undankbar und ungerecht gegen geschichtliche Erscheinungen, für die ihr das Verständnis verloren gegangen ist.

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