Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 12)
- Language
- German
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— 47 — tischer Jdeenkreis gestatteten keine persönliche Vertrauensstellung dieser Art mehr. Zudem waren die allgemeinen Verhältnisse wiederum in völligem Umschwung begriffen. 5. Die neue Zeit bricht sür Deutschland an. Die Hoffaktoren waren deren Pioniere auf dem Gebiete des Welthandels und Weltverkehrs gewesen. Lange bevor Fahrpost und Warenspedition die Länder und Kreise verbinden, laufen sie und ihre zahlreichen Agenten zwischen Nord und Süd und Ost und West hin und her, bedürfnislos, rührig und ihre reichverzweigten Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen in allen deutschen und außerdeutschen Gegenden umsichtig und weitsichtig für ihre Auftraggeber ausnutzend. Unter ihren dürftigen Reisekleidern, ja am Leibe selbst tragen diese Männer Wechsel und Juwelen. „Unter den Lumpen sind Klumpen", erwidert noch später Berthold Auerbachs Großmutter, da man sie in Karlsruhe ihres ärmlichen Gewandes willen abweisen will. Aus den kleinen Händlern, welche der Trödelhandel dazu erzogen hatte, aus Altem Neues herzustellen und auch das.scheinbar Nutzlose wieder zu verwerten, aus Körnern, die andere achtlos in den Staub traten, doch noch reife Saat zu ernten, erwachsen die für alle Bedürfnisse arbeitssreudigen und brauchbaren Hofjuden und allmählich die Finanziers der Höfe und Staaten. Sie bringen das Verkehrswesen nach dem dreißigjährigen Krieg wieder in Gang, die Staatskaffen wieder in Ordnung, sie befördern den Zusammenschluß der Länder untereinander und mit dem Ausland in Handel und Münzwesen. Was sie für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands leisten, zeigt allein schon der durch die Kriegsnot völlig vernichtete, dann aber wieder dank der Tätigkeit der Juden mächtig aufblühende Meßverkehr, besonders zu Leipzig. Der gewichtigste Teil der Leipziger Meßgäste bestand aus den Juden und unter ihnen aus den Hoffaktoren der verschiedenen Fürsten und Herren, die sich mitsamt ihren Familien und Agenten regelmäßig zu den Meffen einstellten. Diese hatten dank ihrer