Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 11)
- Language
- German
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— 4(5 — Schuld lag ja nicht allein an den Personen; die mißlichen wirtschaftlichen Verhältnisse, die rechtlichen Unsicherheiten und noch dazu die aus dem Judenhaß hervorbrechenden Störungen der Geschäftstätigkeit zusammen zu überwinden ging fast immer auch über die stärksten Kräfte und den besten und treuesten Willen hinaus. Bei aller Anerkennung der ihnen geleisteten Dienste bekundeten auch die Herrscher selten das rechte Verständnis für alle diese Hinderungen. Friedrich Wilhelm I von Preußen, streng aber gerecht, hatte wohl nach dem Sturze von Rüben Gomperz unter seinem Vater sofort nach seinem Regierungsantritt die Familie Gomperz rehabilitiert und ihren Mitgliedern aufs neue Privilegien wie große wirtschaftliche Aufgaben aller Art zugewiesen, darunter die Beförderung des Tabakbaues, die Regulierung des Münzwesens. Er schoß ihnen trotz seiner sonstigen Sparsamkeit sogar Kapitalien für ihre Tätigkeit vor und ernannte Moses Levin Gumpertz nicht bloß über den Kopf der Berliner Judenschast hinweg zu deren und der gesamten preußischen Judenschaft immerwährenden Obervorsteher, sondern gestattete chm auch als besondere Auszeichnung gleich den Hosleuten einen Degen tragen zu dürfen. Das alles hinderte den König fteilich nicht, als Moses sich zum Degen eigenmächtig auch eine Hofuniform zulegte, den eitlen Mann höchsteigenhändig durchzuprügeln und. als die den Gomperz übertragenen Unternehmungen ohne deren Schuld nicht vorwärts kamen, dem Generaldirektorium, das die Juden in Schutz nehmen und deren Unschuld dartun wollte, kurzer Hand zu erklären: „Ich will mit den Schelmen nichts weiter zu tun haben, man soll sie bei den Ohren nehmen und mir mein Kapital wiederschaffen." Er erhielt es richtig wieder, aber die Gomperz hatten bei ihm ausgespielt und kamen auch bei seinem großen Sohne Friedrich II nicht mehr hoch, obwohl er sie in seine berüchtigten Münzmanipulationen im siebenjährigen Kriege mit hineingezogen hatte. Unter ihm ging es überhaupt mit der Hoffaktorenherrlichkeit bergab. DieAbneigung desKönigs gegendieJuden,selnehäufige Abwesenheit, sein gänzlich veränderter geistiger und poli-