Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Aus der Zeit der Hoffaktoren
Date
1925-01-01
Page
Seite 45 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111118-3115206--6656-3115279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 45 — die berühmten Hoffaktoren am kaiserlichen Hofe zu Wien, Samson Werth eimer und Samuel Oppenheimer, ohne jedoch persönlichen Absturz zu erfahren. Samson Wertheimer war das gleiche — in diesen Kreisen so seltene — Glück wie Elias Gomperz beschicken, daß ihm die Gunst des Herrschers bis ans Ende treu blieb und sogar noch auf seine Nachkommen überging. Was ihn außerdem besonders auszeichnet, ist der Umstand, daß er nicht bloß ein vorzüglicher Geschäftsträger, sondern zugleich ein anerkannter Gelehrter war, der neben seinen weltlichen Titeln rixit Fug und Recht den eines Rabbiners trug und das Amt eines ungarischen Landesrabbiners tatsächlich ausübte. Sein Reichtum an Wissen litt nicht unter dem Reichtum an Geld, den er freigebig und wohltätig austeilte, so wenig wie seine unermüdliche Tätigkeit für die Finanzen des Hofes, des Landes und des Heeres durch seine Gelehrtennatur zu Schaden kam; er blieb zeitlebens „ein verborgenes, geräuschlos, aber rastlos arbeitendes Rad der österreichischen Staatsmaschine". Nicht ganz so glücklich und auch nicht so vielseitig war Samuel Oppenheimer, ohne besondere Bildung, dafür um so unternehmungslustiger, waghalsiger und von erstaunlicher Gewandtheit allen Hindernissen zum Trotz die übernommenen Verpflichtungen durchzuführen. Als großzügiger Armeelieferant, dann als Hoflieferant und Hosbankier vereinigte er allmählich alle fiskalischen Leistungen und den gesamten Staatskredit Oesterreichs auf sich, eine Monopolstellung, die ihm die schärfsten Angriffe einbrachte, aber zuletzt auch zu einer tatsächlich unhaltbaren Ueberspannung der Anforderungen und Leistungen von selber führen mußte. Darum brach mit dem unerwarteten Tode des mitten in großen Unternehmungen stehenden Hoffaktors das Verhängnis herein, das er selber wahrscheinlich durch seine Tüchtigkeit hätte abwenden können, das nunmehr aber nicht aufzuhalten war, der Zusammenbruch seines Hauses, der zugleich eine schwere Krise für den gesamten Staat bedeutete und dem Namen Samuel Oppenheimers nachträglich mehr Abbruch tat, als er es verdiente. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.