Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 44 — vergebens von einem der Prinzen gewarnt: „ein Jnd wäre wie eine Karte, alleweil man ihn brauche, habe man ihn lieb, wenn man ihn ausgebraucht habe, werfe man ihn herunter". Er stürzte über einen ganz einfältigen Kniff seiner höfischen Gegner; sie beschuldigten ihn gotteslästerliche jüdische Bücher zu besitzen und das bei ihm gefundene angeblich christenlästernde Buch, wahrscheinlich ein ganz unschuldiges hebräisches Gebetbuch, wurde, während er am Pranger mit Ruten gestäupt ward, vor seinen Füßen zerriffen und in den Kot getreten. Der Markgras ließ an seinem Günstling, trotzdem dessen Schuld nicht bewiesen, ja noch nicht einmal die den sonstigen Beschuldigungen zu Grunde liegenden Tatsachen ordentlich festgestellt waren, die Verurteilung nicht bloß zu. sondern auch unbarmherzig durchführen. Elkan Fränkel wurde zu ewigem Kerker nach der Feste Würzburg gebracht, in der er bis zu seinem Tode acht Jahre später verblieb; seine Frau und Tochter wurden ausgejagt und durften nichts mitnehmen als ein Bett und die Kleider am Leibe. Eine erschütternde Tragödie bildet auch der Sturz des bekannten württembergischen Hofjuden Josef Süß-Oppenheimer, der es sogar zum Kabinetts¬ und Finanzminister gebracht hatte. Er büßte schmachvoll persönliche Eitelkeit, aber viel mehr noch das grenzenlose Vertrauen, das ihm sein Fürst entgegengebracht und aus dem heraus er jegliche Art von Anklage gegen seinen Günstling für alle Zeiten untersagt hatte. Kaum jedoch hatte Herzog Karl Alexander die Augen geschlossen, so war auch sein Schützling verloren. Der wahnwitzige Haß seiner Feinde hat sein Bild vor dem Volke und in der Geschichte völlig verzerrt. Ein Mann, der im Kerker alle Bekehrungsversuche und die Aussicht aus Gnade um solchen Preis standhaft abwies und erklärte: „ich will als Jude sterben und Gewalt und Ungerechtigkeit ertragen", war charakterfester als seine Verfolger. Was Süß-Oppenheimer stürzte, hat eines der vielen Pamphlete auf ihn richtig ausgesprochen: „Weil Josef Süß so sehr thät steigen, mutzt er den Halß zur Hanf-Schnur beugen". Höher noch als er stiegen freilich in Gunst und Ansehen