Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 8)
- Language
- German
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gebürtigen Hoffaktor Iost Liepmann in Berlin und seiner schönen Gemahlin, die am Hofe und infolgedessen auch in der Gemeinde den größten Einfluß, aber zugleich wenig Sympathien und starke Gegnerschaft besaßen. Bei dem großen Aufräumen, das Friedrich Wilhelm I nach seines Vaters Tode vornahm, verschwand denn auch die von ihm gehaßte schöne Liepmännin vom Hofe und überlebte ihren Sturz nicht lange. Eine der sympathischsten Persönlichkeiten aus der Hoffaktorenschar dagegen war Berend Lehmann, dessen Vater wieder aus dem Westen, aus Essen, stammte und in Halberstadt ansäßig geworden war. Als Mensch und als Geschäftsmann ein vornehmer Charakter, war er besonders am sächsischen Hofe beliebt und angesehen und führte ob seiner häufigen Reisen, die er für A u g u st den Starken nach Polen unternahm, den Titel eines polnischen Residenten d. h. Geschäftsträgers. Aber auch am preußischen Hofe galt er viel, und manches für die Landespolitik wichtige Geschäft ging durch seine Hand. So wurde die Erwerbung von Quedlinburg und Umgebung für Brandenburg durch ihn vollzogen und wir wissen aus Privatbriefen, wie sich die fürstliche Pröbstin des Stiftes Quedlinburg darüber erregte, daß ein Jude die Verhandlungen führte und abschloß. Auffällige Auszeichnungen, ein goldener Orden mit dem Bilde des Königs, das Wappen eines Freiherrn, wurden Behrend Lehmann zuteil; viel wertvollere Schätzung noch spricht aus den Legenden, die fich allmählich um seine Persönlichkeit rankten. 4. Typisch für alle Schattenseiten der Hoffaktorenstellung ist das Bild, welches der markgräfliche Hof zu Ansbach aufwies. Heftige Konkurrenz zwischen den Fanlilien Model und F r ä n k e l um die Stellung am Hose führte zu unschönen Kämpfen unter den beiden, in denen die erstere unterlag, die andere aber zuletzt auch von der Rache des Schicksals erellt wurde. Elkan Fränkel, durch seinen Sieg noch stolzer und eitler als er zuvor schon durch die Gunst des Markgrafen gewesen, wurde