Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 6)
- Language
- German
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— 41 uns staatsmännischem Interesse und auS vornehmer Gesinnung geboren und viel erfreulicher als das seiner Nachfolger. Mit dem wirtschaftlichen Bilde jener Zeit deckt sich die Tatsache, daß die bedeutendsten Hoffaktoren unter den ersten preußischen Fürsten fast alle aus dem Westen, aus den unteren Rheingegenden stammten. Dort wurde der Handel von Hollands rührigen Händen festgehalten und Männer, die natürliche Beziehungen zu diesen Handelszentren besaßen, waren die gegebenen und brauchbaren Vermittler zwischen dem Hofe in Berlin, den neuerworbenen Westprovinzen und dem handelswichtigen Ausland. Aus dem Grenzwinkel nach dem Rhein und Holland zu erwählte darum der große Kurfürst seine Vertrauten, besonders die Mitglieder der Familie G o m p e r z, die in Cleve, Emmerich und Wesel ihre Stammsitze und in zahlreichen benachbarten deutschen und holländischen Ortschaften ihre Zweigniederlassungen hatten. Er nahm sie fast alle als Hoffaktoren in seine Dienste und zeichnete sie durch seine Gunst aus. Elia Gomperz in Cleve war als Persönlichkeit wie als Geschäftsmann der hervorragendste unter ihnen: „ein eingefleischter Jude zwar, aber sonsten ein ehrlicher Kerl, der auch viel Gutes zum allgemeinen Besten tut", rühmt ein zeitgenössischer christlicher Historiker von ihm. Seiner rastlosen Tätigkeit war es zu danken, daß die brandenburgischen Truppen allezeit schlagfertig und kriegsbereit standen; ihm war es zuzuschreiben, daß 1677 der Religionsftiede zwischen Katholiken und Evangelischen im Cleveschen durchgeführt werden konnte. Von solchen „Kleinigkeiten" erwähnt die große Historie nichts und doch setzt sich ihr Bau nur aus ihnen zusammen. Der große Kurfürst wußte die Dienste seines Hoffaktors bester einzuschätzen und gewährte ihm reiche Gunst. Sein Sohn, der spätere erste preußische König, nahm sogar an der Hochzeitsfeier teil, die im Gomperzschen Hause stattfand, als die Tochter des Elia Cleve dem Sohne der Glücke! von Hameln die Hand zum Ehebunde reichte; die Memoiren der Glücke! geben eine reizvolle Schilderung des Festes. Friedrich I hielt die intimen Beziehungen zu den