Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 5)
- Language
- German
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— 40 - und gebraucht hätten. Dazu kam Vonseiten vieler Juden selber die Sucht in die Okffentlicbkeit zu treten und eine Rolle zu spielen, leidiger Konkurrenztrieb, die Lockungen großen Gewinnes, die erklärlichere Begierdenach Privilegien, welche über die rechtlose Stellung der Glaubensgenossen sonst hinaushoben. So vermehrte sich die Schar aus freien Stücken, obwohl jeder wußte, daß die Rolle des Hofjuden sehr gefährlich, ja verderblich werden konnte, daß auch von ihr das Wort galt, das Schiller später prägte: „Gewisse Dienste Königen zu leisten ist mißlich". Soweit nämlich hattesich der fürstliche Absolutismus nichtgeklärt,daß seine Interessen vor dem Recht des Bürgers Halt gemacht hätten, am wenigsten vor dem Rechte eines in Dienst und Pflicht genommenen Beamten, dessen Bestallung nach allgemeiner Anschauung als eine Gnadenbezeugung Vonseiten des Herrschers galt, die nach desien Willen gemehrt, gekürzt oder aufgehoben werden konnte, ohne daß daraus ein Rechtsanspruch gegen den Fürsten oder gegen den Staat hätte geltend gemacht werden können. Die Geschichte der jüdischen Hoffaktoren dieser Zeit weist zahlreiche Beispiele dafür auf, daß derselbe fürstliche Absolutismus, der sie zur Höhe hob, ebenso rücksichtslos sie auch wieder in die Tiefen zu stürzen wußte, rücksichtslos nicht bloß hinsichtlich der treu geleisteten Dienste, sondern auch hinsichtlich einfacher Moral¬ und Rechtsbegriffe. Macht, Gewalt und Eigennutz standen unbedenklich triumphierend vor Recht, Gesetz und Billigkeit. 3. Am raschesten nach dem dreißigjährigen Kriege begann Brandenburg-Preußen seinen Aufstieg. Hier sind denn auch die geschilderten Grundzüge der Wandlung und Entwicklung am schärfsten sichtbar. Zudem konnte der große K u r f ü r st als erster in der Reihe der neuartigen Landesherrscher das ganze Schwergewicht einer bedeutenden Persönlichkeit mit in die Wagschale werfen. Sein Verhältnis zu den Juden, denen er die verschloffenen Tore seiner Hauptstadt öffnete, wie zu den jüdischen Hoffaktoren, die er in Dienst nahm, ist zugleich