Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 3)
- Language
- German
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Manufakturisten, als Meister und Arbeiter in ihre Länder, hoben dadurch die Unternehmungen und senkten zugleich die durch Menschenmangel und Arbeitsscheu gesteigerten Löhne. Selbst die Umstellung des Militärwesens aus den alten Söldnerheeren zu Landesarmeen wurde von Bedeutung: dem einheimischen Gewerbe erschloß sich dadurch ein ständiger Absatzquell, zugleich entstand ein finanzielles Problem, dessen Lösung von der Bereitstellung der täglichen Löhnung abhing und so die Interessen des Herrschers noch mehr mit dem Aufstieg des Wirtschaftslebens verknüpfte. 2. Die jüdische Geschichtschreibung hat bisher diesem veränderten Bild des Jahrhunderts nach dem dreißigjährigen Krieg wenig Beachtung geschenkt; in seine Umrisse läßt sich die Lage der Judenschaft in Deutschland nunmehr leicht einzeichnen. Für fie war es die Zeit, in der sich ihr tiefster Abstieg vollzog, aber bereits die ersten Ansätze zu erneutem Aufstieg sichtbar werden. Am Anbeginn dieser Zeit steht der Ausschluß Spinozas aus dem Judentum, an ihrem Ende erklimmt Moses Mendelssohn die Ruhmesleiter des deutschen Sokrates. Am Unglüik des dreißigjährigen Krieges halten die deutschen Juden natürlich ebenso zu tragen wie alle anderen Bewohner und da die Glaubensstreite! nichts aus ihm gelernt hatten, die Glaubensgegensätze vielmehr unverändert dieselben blieben, so änderte sich zunächst auch nichts an der Unduldsamkeit und an den Vorurteilen den Juden gegenüber, nichts an deren unterwertigen bürgerlichen und rechtlichen Stellung, nichts an ihrem gesellschaftlichen, gewerblichen und teilweise sogar räumlichen Aus- und Abschluß. Und doch — sie lebten in der gemeinsamen Welt und fluteten deshalb trotz aller Hinderniffe von selber mit in die neuen Verhältnisse hinein, die nach, dem Kriege eintraten, fie wußten in dieser Flut sogar besser noch zu schwimmen, denn ihre Zeit war gekommen. Nicht durch chre Schuld! Das System der alten Zeit rächte fich jetzt an denen, die es gehandhabt hatten; die Weltgeschichte stieg zu den Er-