Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Aus der Zeit der Hoffaktoren
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 2)
- Language
- German
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— 37 geordnete Zustände schaffen, wollten sie ihre eigene Existenz nicht einbüßen. Seit Abschluß des dreißigjährigen Krieges weist darum die deutsche Geschichte in allen Landesteilen das — auch für die Juden bedeutsame — Gepräge eines fürstlichen Absolutismus auf, der rücksichtslos tatkräftig alle Kräfte des Landes in seinen Dienst zieht und sie zum Zweck des großen Ganzen seinem Willen unterwirft. Dieser Weg gleichzeitiger Zentralisierung und Arbeitsteilung. den die Landesfürsten beschritten, war es, der trotz aller dem Absolutismus anhaftenden Absonderlichkeiten zur Besserung der Wohlfahrt in Deutschland hinführte. Ein zweiter — wiederum auch für die Juden bedeutsamer — Faktor war der Aufschwung der Geldwirtschaft. Nicht mehr die Naturalwirtschaft stand wie im Mittelalter im Vordergrund; sie war verwüstet und die Finanzen mußten nach dem langdauernden Krieg schleunigst geordnet werden. Man brauchte Geld, gangbare Münzen; Münzwesen, Geldsteuern, die Akzise als indirekte Steuer wurden die Signatur der neuen Zeit. Sie machten die Fürsten unabhängig von Grund und Boden, von Bauern. Bürgern und Ständen und zwangen zugleich das ganze Volk zur Sparsamkeit. Handel und Gewerbe mußten von selber nunmehr eine völlige Umwälzung erfahren, ein dritter, wieder für die Juden bedeutsamer Punkt. Deutschlands Großkapital und Großhandel waren zerschlagen, die veränderte Weltlage gestattete den Aufbau nicht mehr; die großen Handelswege waren von Osten nach dem Westen gerückt und dort im Westen war der Zugang zum Meer durch die holländische Handelspolitik geschloffen. Der deutsche Kaufmann konnte fortan nur Faktor, d. h. Agent, Kommissionär sein. Zugleich mußte der Kleinhandel, das Hausierwesen in außerordentlichem Maße um sich greifen. Die Landesfürsten förderten noch dazu diese Umwälzung durch ihr Merkantilsystem, das die Einfuhr erschwerte, und durch das Polypol, d. h. durch den Grundsatz, daß jeder jede Hantierung treiben dürfe, womit sie die Monopole der Stände, der Städte und der Zünfte brachen. Sie stärkten das Kleingewerbe, die Manufaktur, die Hausindustrie, zogen Emigranten als Industrielle und