Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115205--6639-3115263- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 29 — deutschen Dichtung angeschloffen, so z. B. der Dichter der biblischen Anthologie ם׳ מזמור לתודה (Amsterdam 1644) an eine im 17. Jhdt. beliebte Form der lyrischen Dichtung: der Verfasser des gereimten הלל an eine im deutschen Kirchenlieds des 17. Jhdt.'s gebräuchliche Strophe, während der Uebersetzer der Psalmen, Rabbi Mose Stendel, (Krakau 1586) in selbstgebauten Reimpaaren gedichtet hat. 6. Zum Schluß noch ein Wort über die Para- Phrasen biblischer Bücher, prosaische und gereimte. Ihre Zahl ist um vieles größer als die der bloßen Ueber» setzungen, zumal der gereimten. Das entspricht der literarischen Tatsache, daß auch die deutsche Literatur des Mittelalters viel mehr Bearbeitungen biblischer Stoffe aufweist als Uebersetzungen. Wer die Bedeutung der Haggada für das Bibelstudium kennt, wird sich nicht darüber Wundern, daß die in Sage und Legende lebendigen erbaulichen und belehrenden Motive des Midrasch auf die Bearbeitung der heiligen Schriften zu allen Zeiten von großem Einfluß gewesen sind. So ist es auch im Mitttelalter bei den deutschen Juden gewesen. Ihre in der Landessprache abgefaßten Paraphrasen von Teilen der Bibel schöpfen direkt oder indirekt aus der nie versiegenden Quelle des haggadischen Midrasch. Dieses reiche Rankenwerk ernster und heiterer poetischer Erzählungen gibt den alten jüdischdeutschen Paraphrasen den volkstümlichen Zug. und erklärt uns den starken Reiz, den diese Art heiliger Literatur Generationen hindurch auf die Gemüter der Kleinen und Großen ausgeübt hat. Bücher wie das berühmte Zenne Renne gehörten einst neben den Erzeugniffen der deutsch-jüdischen Moral-Literatur, den köstlichen Bearbeitungen deutscher und ausländischer Sagenstoffe (Roman von Beria und Zimra, Historie von Kaiser Oktavian, Bowo-Buch u. a. m.) und den fast unübersehbaren Stoffen der sogenannten Maasse-Bücher zu den gelesensten und schlechthin volkstümlichen Werken beiden deutschen Juden an der Wende von Mittelalter und Neuzeit.