Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111118-3115205--6640-3115264- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 30 Wir können diese Paraphrasen biblischer Bücher über die Zeit der uns vorliegenden Ueberlieferung in Handschriften und alten Drucken zurückverfolgen bis ins 13. Jahrhundert. In dieser Zeit müssen zum inindesten ihre Anfänge in Deutschland liegen. Sie sind also älter als die gereimten Uebersetzungen. Das hat wieder seine Entsprechung in der deutschen christlichen Literatur, wo ja auch die Gattung der gereimten Bibelbearbeitung viel älter ist als die der Uebersetzung in Versen. Die Vorliebe für die E st h e r geschichte, die sich schon im Judentum der ältesten Zeit bemerkbar machte, hat sich in einer Reihe von jüdisch-deutschen Estherpara- Phrasen Ausdruck verschafft, die zu den wertvollsten Literaturdenkmälern des mittelalterlichen deutschen Judentums gezählt werden dürfen. Darunter ist eine, die noch aus dem 33. Jahrhundert stammt, aber natürlich in einer späteren Abschrift auf uns gekommen ist. Sie ist in der Hamburger Handschrift Nr. 34 erhalten und von zwei verschiedenen Schreibern i. I. 1631 aus einer alten Vorlage, die 1590 geschrieben worden war, kopiert worden. Ihre Heimat ist Oberdeutschland, und zwar alemannisches Sprachgebiet*). Das gereimte Schlußwort des Schreibers vom Jahre 1590 eingerechnet, erzählt sie den Inhalt von Ester mit Benutzung des Targum scheni in 1433 Strophen, und zwar im sogenannten Berner Ton, der auch im deutschen Meistergesang beliebt war. Einige Strophen aus dem 1. Teil der Paraphrase mögen hier folgen, um den Lesern ein Beispiel von der Kunst des Dichters zu geben. Sie geben den Inhalt von Ester 1,10—12 wieder: ir schön gestalt un zird als di engel im paredeis mit guten Würzen geschmird si tragen in der Welt den preis den könig das ser ver drotz daß si also lobten das פרס geschlecht: solt ir sehen inein königin bloß würd ir müsen bekenen mit recht *) Bgl. Staerk u. Leitzmann S. 228 ff.