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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 27

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
Date
1925-01-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 — eine Zeit gegeben, wo die Menge der deutschen Juden in ihrem Fühlen und Denken so ganz in deutsches Wesen einzugehen fähig war, wie das 14. und 15. Jhdt., aus denen die ersten großen Versuche gereimter Bibelübersetzungen stammen. Man muß sich einmal klar machen, was es für dieses Zeitalter ständiger religiöser und sozialer Spannung zwischen Judentum und kirchlicher Kultur bedeutete, die tiefsten Lebenswerte des frommen Juden, die Worte der heiligen Schriften, der Menge in den weltlich-fröhlichen Formen des halb heidnischen, halb christlichen Volksepos zu bieten. Diese Anpassung des religiös-kulturellen Eigenbesitzes Israels an Lebens- und Denkformen christlich-kirchlicher Kultur setzt eine innere Freiheit und Kraft jüdischen Lebens im deutschen Golus voraus, die uns mit Bewunderung erfüllt- Denn die Größe dieser Weltoffenheit des deutschen Judentums alter Zeit wurzelte nicht in einer methodischen Ausklärungsbewegung und in gewollter Emanzipation von der religiösen Tradition und den damit gegebenen soziologischen Lebensformen, sondern in der Unmittelbarkeit des Deutschseins bei völliger Wahrung des Jüdischseins, also in Natur, in der Tiefe der Seele, nicht in gesellschaftlicher Kultur. Und das ist es, was diese Literatur der gereimten Bibelbücher dem Freunde echten Volkstums noch heute lieb macht, trotz ihrer aesthetischen Schwächen, die freilich nicht größer sind als die der geistverwandten zeitgenössischen Volksdichtung. Die Reihe dieser biblischen Versdichtungen wird eröffnet durch die köstliche Bearbeitung des Samuel- und Königsbuches. Sie steht allerdings schon auf der Grenze zur gereimten Paraphrase des biblischen Stoffes, aber sie muß hier genannt werden, weil sie offenbar das poetische Vorbild für alle uns erhaltenen biblischen Reimdichtungen in Uebersetzungsform geworden ist. Ihre Entstehung fällt noch in das 14. Jahrhundert. Sie steht also ohne Zweifel unter der Nachwirkung der großen Blütezeit des deutschen Volksepos. Dafür spricht auch ihre Form, die sogenannte Rosengartenstrophe, deren Bau man aus folgenden, dem Anfang des Königsbuchs entnommenen Strophen ersehen kann:

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