Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
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— 25 — immer ungehobene literatur- und kulturgeschichtliche Schätze deutsch-jüdischen Geisteslebens des Mittelalters und der Neuzeit erhalten stnd. Es gibt in dieser Literatur Zeugnisse für eine Fähigkeit und Kunst der Sprachführung, die sich mit Erfolg auch an ganz schwierige Aufgaben gemacht hat. So ist uns in der Münchener Handschrift Nr. 347 eine Bearbeitung des hebräischen Originals von Abraham ibn Hisdai's „Königssohn und Asket" (Prinz und Derwisch*) erhalten, die eine höchst achtenswerte Leistung auf dem Gebiet der Uebersetzungskunst ist. Sie verbindet Gewandheit und Freiheit in der Handhabung der deutschen Reimprosa mit aesthetischer Feinheit in der Wiedergabe des Sinnes der hebräischen Makamen Hisdai's. Man muß ihr nachrühmen, daß sie dem nicht immer leichten Sprach- und Stilcharakter dieses Autors die glücklichste deutsche Form gegeben und dadurch den ethischen Roman zu einer noch heute genußreichen Lektüre gemacht hat. Wir möchten dem Leser wenigstens ein paar Verse aus dem Werke vorlegen, damit er sich ein Urteil über Inhalt und Kunstform der großen, aus dem 14. Jhdt. stammenden Dichtung bilden kann, über die s. Zt. M. Steinschneider in seinem gelehrten Buche „Die hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters" § 532 ausführlich gehandelt hat. Wir wählen ein Stück aus der 20. Pforte (Fol. 38b f. der Handschrift): dorüm welcher weiß zu erkenen bös un guet un weiß di worheit was das der gelten tuet as wir erkenen di gerechtigkeit des hoch gelobten got, (der werde, der ist schüldig genzlich daß er habe in werde das leben hi uf diser Welte zit un noch dem tode stil al sin git. di wisen sprechen: do Aleksander sin meister schast empfing das gemein volek zu strofen er anfing do er an di kanzel trat *) Es ist das eine aus dem Arabischen übernommene Behandlung der alten indischen Bekehrungsgeschichte, die seit dem 11. Jhdt. unter dem Titel „Barlaam und Josaphat" im christlichem Abendlande bekannt war.