Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
Date
1925-01-01
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3111067-3111118-3115205--6634-3115258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 24 — 25,2 ״von ere gats do verbirg bin rede, un von ere der kunig do frog di rede". 25.4 ״so man zücht us di grondsopfen von dem silber, so get us zu luternis das geschire, aso is auch so man us zücht den bösen vor dem kunig, so Wirt pereit mit gerechtekeit sin stuel". 25,9 ״bin krig den krig mit dinem geselen, un rot des andern nit du solt anplicken daß du im nit solst schenden sin eitern". 25, LI ״öpfel gülden uf dem estrich silbern, aso ist der do fuert ein fuerung uf sin sazung". Im letzteren Falle hat ein späterer Bearbeiter der Handschrift, wie an vielen anderen Stellen, dem Verständnis aufzuhelfen gesucht, indem er zum ersten Teil das Mascha! hinzufügte ״as knöpf di do sten uf einem כלי das bedekt is sülbern", und im zweiten Teile für ״fuerung" einsetzte ״rede recht" (= דבר דבר). Aber auch so bleibt es hartes Deutsch, bloße Uebersetzungssprache. Wer nun aus solchen und vielen ähnlichen Erscheinungen in den jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen der alten Zeit schließen würde, diese Leute hätten eben als Juden kein Deutsch gekonnt. — mit solchen Urteilen find ja gewisse Rassenfanatiker heute schnell bei der Hand —, der wäre sehr im Irrtum. Es giebt in der uns erhaltenen jüdisch-deutschen Literatur der alten Zeit Beweise genug dafür, daß die schriftstellernden Juden des späten Mittelalters nicht schlechter und nicht besser schrieben als ihre christlichen Mitbürger, wenn sie sich von dem Zwange eines lehrhaften Uebersetzungsdeutsch frei machen konnten. In Wortschatz, Satzbau und Stil sind ihre literarischen Erzeugnisse, abgesehen von den zu Unterrichtszwecken angefertigten Bibelübersetzungen, Geist vom Geiste der zeitgenösstschen deutschen Volksliteratur. Schon die Vorreden zu den verschiedenen Uebersetzungen beweisen das. Mehr noch die ganze große weltliche Literatur, die das alte deutsche Judentmn gepflegt hat, die geographischen und geschichtlichen Werke in Prosa, die feinsinnige Weisheitsliteratur in Prosa und Poesie, und vor allem die epische, lyrische. Sagen- und Novellendichtung, in der uns noch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.