Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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— 23 — keinem rechten jüdischen Hause eine deutsche Mbel (Thora, Psalmen und die fünf Megillot) gefehlt hat, neben manchen andern erbaulichen Schriften in deutscher Mundart, wie fie die Juden hin und her in Ober- und Mitteldeutschland sprachen. Aus der Zeit von 1540—1610 kennen wir jetzt fast ein Dutzend solcher Uebersetzungen. Allerdings, Uebersetzungen der ganzen Bibel scheint es vor dem 17. Jahrhundert nicht gegeben zu haben. Wenigstens ist bis jetzt nichts davon bekannt geworden, obgleich die Verfasser von deutschen Bibeln sehr oft in den Vorworten ihrer Bücher davon sprechen, fie wollten die ganze Bibel übersetzen, wenn man ihnen durch Kauf ihrer verdeutschten Thora oder ihrer Psalmen die Mittel dazu verschaffen werde. 4. Nach der oben kurz angedeuteten Entstehungsgeschichte dieser deutschen Uebersetzungen von Teilen der heiligen Schrift handelte es sich meistens um wörtliche Uebertragungen der hebräischen Texte, also um prosaische Schriften. Vergleicht man sie mit den alten christlichen Bibelübersetzungen vor Luther, so sieht man auf den ersten Blick, daß dort wie hier nach demselben Grundsätze sklavisch genauer Wiedergabe des Originals gearbeitet worden ist. Das ist nicht zu verwundern, sondern im Gegenteil, es ist das Natürliche, weil bei Christen und Juden der praktische, lehrhafte Zweck das treibende Motiv für die Arbeit der Uebersetzer war. Jenen mußte der Text der in der Kirchensprache allein berechtigten lateinischen Bibel verständlich gemacht werden, diesen der der hebräischen Bibel. Das ist aber der Grund dafür, daß diese alten Uebersetzungen in einem ganz ungelenken Deutsch abgefaßt sind, das gar oft ohne Kenntnis des Originals kaum oder mit Mühe zu verstehen ist. Man versuche einmal. solgendeUebersetzungen von Stücken aus Sprüche XX V zu verstehen, ohne die hebräische Bibel aufzuschlagen lsie stammen aus einer Uebersetzung der Bücher Hiob, Sprüche und Psalmen aus dem 14.—15. Jhdt. in dem Karlsruher Codex Reuchlinianus XIII, vgl.Staerku.LeitzmannS.8lff):