Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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— 22 — 10,15: „ob söl sich berümen di akst über den Hauer, ob söl sich groß dünken di bart über sin uf Heber, as het uf gehoben di ruet sin uf Heber, as wird us gehoben der stab as wer es nit ein Holz un as wer er der mensch". So sind also. die vollständigen Uebersetzungen allmählich und ganz organisch aus der alten Methode der Erläuterung der heiligen Texte durch Glossen herausgewachsen. Soviel wir zur Zeit sagen können, reichen die Uebertragungen ganzer Bücher der Bibel bei den deutschen Juden bis ins 13. Jahrhunderts zurück. Aber die Art dieser Arbeiten läßt den Schluß zu, daß die Kunst der fortlaufenden Uebersetzung älter ist. Es lagen ja auch keine religiösen Bedenken gegen deutsche Uebersetzungen vor. Die Volkssprache hatte seit Sa'adja's Bibelübersetzung, ja schon seit den Tagen der 70 Dolmetscher Heimatrecht in der Synagoge des Golus. Und Tr. Soferim c. XVIII sagt ausdrücklich, es sei Pflicht. Paraschen und Haphtaren vor dem Schluß des Gottesdienstes für die Frauen in die Landessprache zu übertragen. Umso eher konnten solche Uebersetzungen für das Private Studium und den häuslichen Unterricht gebraucht werden. Und wenn man in Erwägung zieht, daß die Erschütterung der geistigen Kultur der Juden des Abendlandes unter den grauenhaften Verfolgungen im 12. und 13. Jahrhundert das Bildungsniveau der Massen immer tiefer sinken ließ — diese unglücklichen Opfer des wllden Haffes der Kirche und des aufgehetzten Pöbels retteten ja meist nur das nackte Leben, wofern sie nicht für ihre Glaubenstreue bluteten —, so begreift man den Eifer von Gelehrten und Laien, die religiösen Bedürfnisse der geistig Armen und Aermsten durch deutsche Uebersetzungen der tröstenden und belehrenden Worte der heiligen Schrift zu befriedigen. Es ist also nicht zu verwundern, daß es schon im 14. und 15. Jhdt. eine ganze Menge solcher Uebersetzungen, meist der Thora und der Psalmen, gegeben hat. Als dann die Kunst des Buchdrucks die schnellere und billigere Herstellung solcher Bücher ermöglichte, wurden ihrer immer mehr, und man darf annehmen, daß in alter Zeit in