Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 26 (1925)
- Article
- Vom Studium der heiligen Schrift und der Kunst des Übersetzers bei den deutschen Juden der alten Zeit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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— 20 - Helligen Schrift außer der Chronik, in hebräischer und altfranzösischer Sprache. Dann hat später ein jüdischer Gelehrter am Rande deutsche Gloffen hinzugefügt*). Solche Bibelglossare hat es viele gegeben. Es sind uns auch noch in Handschriften eine ganze Menge erhalten. Sie stammen aus dem 13.—15. Jahrhundert, und meistens aus dem Rheinlande, wo ja seit alters Sitze jüdischer Gelehrsamkeit waren. Natürlich behandeln sie vornehmlich die im Gottesdienste zur Verlesung kommenden Stücke der heiligen Schrift, vor allem die Thora. Später hat man dann angesangen, solche Glossare durch Druck zu vervielfältigen Das älteste Zeugnis dafür in Deutschland ist der ,מרכבת תמשנר des Rabbi Anschel, der zuerst im Jahre 1534 in Krakau erschien, und auf desien Bedeutung für die Geschichte der Bibelstudien schon I. Perles in seinen ״Beiträgen" (S. 33f. und 117ff.) und der treffliche M. Grünbaum in seiner ״Jüdischdeutschen Chrestomathie" (Leipzig 1882) aufmerksam gemacht haben. Rabbi Anschel hat sein Glossar auf Grund der berühmten Bibelkonkordanz des Jizchag b. Nathan Kalonymos, die 1523 in Venedig unter dem Titel מאיר נתיב erschien, und mit Benutzung des vielen alten deutschen Glossenmaterials ausgearbeitet, das sich in der Jahrhunderte alten Schultradition der Rabbiner Frankreichs und Deutschlands aufgehäust hatte. Aus der Vorrede zu dem Werke bekommt man eine klare Anschauung von der rein praktisch-pädagogischen Abzweckung dieser Art Literatur: ״Nun is zu merken nüz dises Büchlein daß einer kan dervon zu wegen brengen recht zu deutschen ale Wörter noch der recht Meinung על־פי הדקדק; das ander daß einer draus kan lernen das ganz עשרים וארבע schir ganz deutsch auf ale Wörter un Wörter; das drit ob einer *) Eine kurze Beschreibung des Glossars mit vielen Proben der deutschen Gloffen findet man bei Staerk u. Leitzmann, Die Jüdisch- Deutsch! n Bibelübersetzungen von den Anfängen bis zum Ausgang des 18- Jhdt's. Nach Handschriften und alten Drucken dargestellt. Frankfurt a. M. I. Kauffmann 1923. XXXIX. u. 337 S.