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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1925-01-01 · 26 (1925) · p. Seite 7

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
26 (1925)
Article
Rückblick auf die Jahre 5684 und 5685
Date
1925-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 In Polen, dem Lande mit der größten jüdischen Bevölkerung der Welt, haben sich nicht alle die schönen Hoffnungen erfüllt, die von den nationalistischen Führern vor der Bevölkerung ausgemalt wurden. Das Land hatte mit ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, unter denen die Juden mindestens so schwer litten, wie die übrige Bevölkerung der Städte und weit schwerer als die Bauern. Anstatt aber diese bedrängte Lage eines so beträchtlichen Teils der Handel und Industrie treibenden Bevölkerung zu würdigen und nach Möglichkeit zu erleichtern, hat die polnische Nationaldemokratie ihren Einfluß dahin geltend gemacht, daß die Notlage der Juden in jeder Weise verschärft wurde. Nicht nur, daß man ihnen jede moralische Förderung im Gemeinde- und im Schulwesen versagte, daß man an den Universitäten den Numerus clausus durchsührte und ihn für Mediziner durch die Forderung des Leichenproporzes für die Anatomie verschärfte, suchte man die jüdischen Händler und Fabrikanten in ihrem Kredit zu schädigen, im Erwerb zu beschränken und durch Steuerlast zu drücken. Die Verzweiflung nahm einen solchen Grad an, daß nicht nur eine starke Auswanderung einsetzte, sondern eine Selbstmord-Epidemie ausbrach. Das Rabbinat in Warschau sah sich genötigt zu verkünden, daß der Selbstmord religiös verboten ist — und Europa horchte aus. — Aber auch die polnische Regierung merkte endlich, wohin die bisherige Praxis geführt hatte, und trat in Verhandlungen mit den jüdischen Mitgliedern beider Kammern ein. Es soll über diese Verhandlungen im einzelnen nicht berichtet und nur das Ergebnis mitgeteilt werden. Die Minderheitssektion des politischen Komitees des polnischen Ministerrates beschloß, dern Ministerrat die Durchführung einer Reihe von Matznahrnen zu empfehlen, die das jüdische Gemeinwesen, das jüdische Schulwesen sowie die Erlaubnis der hebräischen und jiddischen Sprache in öffentlichen Versammlungen betreffen. Die Vorschläge sind folgende: 1. Der Ministerrat beauftragt den Bildungsminister, ein Gefetzesprojekt betreffend die einheitliche Organisation der jüdischen religiösen Gemeinden ganz Polens und deren religiöse Räte sowie ein Gefetzprojekt über die Benutzung der hebräischen und jiddischen Sprache als Geschäfts- und Verhandlungssprache in den . -\

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